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AMAZON greift wieder an. Nun im Gesundheitssektor

Medikamentendistribution, wie wir sie bislang kennen. Quelle: istockphoto.com/AlexanderFord

Der weltgrößte Online-Händler steht nicht still. Natürlich nicht, wird manch einer sagen. Disruptor Amazon hat ein neues Opfer gefunden.

Von Dr. Andreas Bischof

Am heutigen Dienstag lancierte Amazon in den USA mit „Amazon Pharmacy“ seine Online-Apotheke. Amazon Prime-Kunden in den USA erhalten  80% Rabatt auf Generika und bis zu 40% Rabatt auf Markenmedikamente, wenn sie diese selbst bezahlen und nicht von ihrer Versicherung erstatten lassen. Zudem werden sie innerhalb von 2 Tagen an Prime-Kunden geliefert.

Buchhandel und Einzelhandel sind Beispiele für Branchen, die der Disruptor Amazon nachhaltig verändert hat. Nun also ist die Apotheken-Branche dran. 

Wenig überraschend fallen heute die Aktien börsennotierter Drogerie- und Apothekenketten wie Walgreens Boots Alliance, Rite Aid, Kroger und CVS Health, Großhändlern wie McKesson, Cardinal Health und AmerisourceBergen, als auch die des Einzelhandelsriesen Walmart, bei dem Amerikaner ebenfalls Medikamente kaufen können.

Online-Bestellungen von Medikamenten haben sich auch  in den USA bisher nicht durchsetzen können. Mit einem Anbieter wie Amazon könnte sich dies aber durchaus ändern, vor allem vor dem Hintergrund der COVID-19-Krise, die uns trotz jüngster Impfstoff-Erfolge von BioNTech/Pfizer und  Moderna wohl noch geraume Zeit erhalten bleiben wird.

Was bedeutet dies nun für den Fonds nova Steady HealthCare? Nicht allzu viel, aus mindestens den folgenden zwei Gründen: Erstens, da er aktuell nur in ein einziges Unternehmen investiert ist, dessen geschäftliche Aktivitäten – neben vielen anderen Aktivitäten –  auch die Online-Medikamentendistribution beinhalten. Diese generiert bei fraglichem Unternehmen jedoch nur einen vergleichsweise geringen Teil des operativen Gewinns, der auch durch Amazons Markteintritt nicht von heute auf morgen auf Null zurückgehen wird.

Und zweitens bedeutet diese Nachricht für den Fonds nicht allzu viel, da es insgesamt nur wenige börsennotierte Apothekenketten und Großhändler gibt. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass alle diese Aktien künftig auf Dauer grundsätzlich keine attraktive Investmentkandidaten mehr wären, verlöre nova SHCs Investmentuniversum nur ca. 1% seiner möglichen Investmentkandidaten. Dieser -ohnehin sehr unwahrscheinliche- Verlust wäre somit zu gering, um Wohl und Wehe des Fonds zu beeinflussen.

In Summe also: Keine Panik – Amazons Markteintritt in die Online-Medikamentenhandel ist zwar eine aufsehenerregende Entwicklung, die jedoch kaum Auswirkungen auf den Fonds haben sollte.

Bleiben Sie weiterhin vorsichtig – Auch bei Amazon Pharmacy können Sie noch keinen Impfstoff bestellen!

DURCHBRUCH BEI CORONA-IMPFSTOFF BEDEUTET WEIT MEHR ALS „NUR“ SCHUTZ GEGEN CORONA

Quelle: istockphoto.com/loop7

Die Bedeutung der gestern publizierten Daten zum Corona-Impfstoff BNT162b2 erstreckt sich weit über die aktuelle Corona-Pandemie hinaus. Denn die neue Impfstoffklasse, Teil derer BNT162b2 ist, birgt viele weitere Chancen und Potenziale.

Von Dr. Andreas Bischof

Die Bedeutung von BioNTechs/Pfizers Corona-Impfstoffkandidaten BNT162b2 geht weit über seinen möglichen Einsatz zum Schutz vor der aktuellen Corona-Pandemie hinaus, so wichtig wie er in der aktuellen Lage auch sein bzw. werden mag,

Denn BNT162b2 wird – seine Zulassung vorausgesetzt – weltweit der erste Impfstoff auf RNA-Basis sein. Konventionelle Impfstoffe hingegen beruhen nicht auf RNA, sondern beinhalten Proteine des jeweiligen Krankheitserregers oder ganze abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger. Die Entwicklung und Herstellung eines solchen konventionellen Impfstoffs ist ein komplexer und sehr langwieriger Prozess. So liegt selbst der Weltrekord in der Entwicklung eines konventionellen Impfstoffs immerhin auch noch bei ca. 4 Jahren, während eine „normale“,  also nicht rekordverdächtige Entwicklung eins konventionellen Impfstoffs doppelt so lange oder noch länger dauern kann. 

Im Unterschied zu solchen, typischen  Entwicklungszeiten von ca. 8  Jahren oder mehr hat die Entwicklung von BNT162b2 weniger als 1 Jahr  gedauert, ca. 10 Monate. Eine sehr kurze Entwicklungszeit ist einer der ganz großen Vorteile von RNA-Impfstoffen, selbst, wenn die Umstände, die zu der extrem schnellen Entwicklung von BNT162b2 geführt haben, außerordentliche  gewesen sein mögen und eventuell so nicht wieder auftreten werden.

Dessen ungeachtet bleibt festzuhalten, dass sehr kurze Entwicklungszeiten zu den wichtigen Vorteilen der neuen Impfstoffklasse der RNA-Impfstoffe gehören. Dass diese neue Impfstoffklasse überhaupt funktioniert, haben Pfizer und BioNTech in ihrer sehr großen Klinische-Phase-3-Studie demonstriert (vorbehaltlich der Bestätigung der bisherigen Ergebnisse der Studie bei ihrer Endauswertung). 

Ein zweiter, wesentlicher Vorteil von RNA-Impfstoffen ist ihre leichte Adaptierbarkeit. RNA-Impfstoffe gegen andere – neue und bereits bekannte – Krankheitserreger lassen sich einfacher entwickeln und herstellen als konventionelle Impfstoffe, vor allem, wenn in diesen nicht einzelne Proteine, sondern ganze Krankheitserreger im Impfstoff eingesetzt werden, denn für deren Herstellung braucht es lebendige Produktionssysteme, beispielsweise Zellkulturen oder Hühnereier. RNA-Impfstoffe hingegen lassen sich vergleichsweise einfach „im Reagenzglas“ synthetisieren bzw. im kommerziellen Maßstab in eher klassischen, chemisch-pharmazeutischen Produktionsanlagen produzieren.

Damit ist auch schon der dritte Vorteil von RNA-Impfstoffen genannt, nämlich ihr gute Produzierbarkeit in kommerziellen Mengen. 

 

Fazit: RNA-Impfstoffe, deren erster nun kurz vor der Zulassung steht, repräsentieren eine neuartige und sehr vielversprechende Impfstoffklasse.

3 ganz wesentliche Vorteile dieser Impfstoffe liegen in ihren sehr kurzen Entwicklungszeiten,  ihrer leichten Adaptierbarkeit für andere, neue und bereits bekannte Krankheitserreger, und in der guten Skalierbarkeit ihrer kommerziellen Produktion.

Somit erweitern RNA-Impfstoffe den Werkzeugkasten bei der Entwicklung von  Impfstoffen gegen künftige, aber auch gegen bereits bekannte Krankheitserreger um ein ganz wichtiges Instrument!

 

Bleiben Sie vorsichtig  – Der Impfstoff steht noch lange nicht in Ihrer Apotheke!

WELTREKORD!?!? CORONA-IMPFSTOFF IN REICHWEITE

Deutschland kann mehr als nur Autos bauen. Der per heute vielversprechendste Impfstoffkandidat gegen SARS-CoV-2 könnte aus Deutschland kommen, genauer gesagt aus Mainz.

Von Dr. Andreas Bischof

Das kleine Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech und der US Pharma-Gigant Pfizer gaben heute erste Wirksamkeitsdaten aus der klinische-Phase-3-Studie zu ihrem Coronavirus-Impfstoffkandidaten bekannt.

Diese ersten, vorläufigen Daten zeigten, dass der Impfstoffkandidat BNT162b2 über 90% der weltweit über 43.000 Studienteilnehmer vor der COVID-19-Erkrankung schützen konnte. Die  Studie, die erst am 27. Juli 2020 begann, läuft noch so lange weiter, bis 164 bestätige Virusinfektionen unter den Studienteilnehmern aufgetreten sind (bisher 94). Unabhängig davon plant Pfizer, den Impfstoffkandidaten schon in der dritten Novemberwoche bei der US-Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung einzureichen.

Sollte der Impfstoff zugelassen werden, wäre dies ein absoluter Weltrekord: Die kürzeste Impfstoffentwicklung bisher dauerte immerhin 4 Jahre , welches auch schon sehr schnell war, bedenkt man die ansonsten übliche Entwicklungsdauer von ca. 8 Jahren. 

nova funds gratuliert BioNTech zu diesem wissenschaftlichen und medizinischen Durchbruch! Denn um nichts Geringeres handelt es sich hier, selbst dann, wenn BNT162b2 letztendlich nicht zugelassen werden sollte oder sich unter den vielen Impfstoffkandidaten, an denen weltweit mit Hochdruck gearbeitet wird, doch noch ein besserer finden sollte.

Dieser Durchbruch freut uns auch deshalb,  als dass es sich um eine Entwicklung aus Deutschland handelt, das in Sachen kommerzieller Biotechnologie weltweit ansonsten nicht gerade führend ist. Das ist besonders bedauerlich, da Deutschland durchaus zahlreiche, sehr gut ausgebildete und überaus engagierte Wissenschaftler hervorbringt, die dann aber häufig ins Ausland abwandern müssen, um ihre meist in jahrelanger Arbeit gewonnenen Erkenntnisse in praxistaugliche Produkte und Anwendungen gießen zu können.

Dieser Erfolg BioNTechs sollte auch dazu ermutigen, heimischen Start-Ups in Zukunftsbranchen mehr Geld zum Aufbau Ihrer Unternehmen zur Verfügung zu stellen.  Deutschland braucht mehr Risikokapital für Investitionen in Zukunftsbranchen, denn ansonsten findet die Zukunft woanders statt. 

Trotz alldem: Bleiben Sie gesund – Der Impfstoff steht noch lange nicht in Ihrer Apotheke!