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Gesamtjahresergebnisse des Gesundheitssektors unter der Lupe

Quelle: istock.de / Feodora Chiosea

Die Mehrzahl der im MSCI World Healthcare-Index zusammengefassten Unternehmen hat mittlerweile ihre Geschäftsergebnisse für das Kalenderjahr 2020 veröffentlicht. Ca. 60% der Unternehmen konnten dabei sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen. Dabei ergaben sich aber deutliche Unterschiede zwischen den 10 verschiedenen Subindustrien des Gesundheitssektors.

Von Oliver Kämmerer

Alle Unternehmen der Subindustrie Technologie (Health Care Technology) konnten die Umsatzerwartungen übertreffen, gefolgt von 80% der biomedizinischen Zulieferer (Life Sciences Tools & Services) und 73% der Biotechnologie-Unternehmen. Hinten an lagen die Medizintechnik (Health Care Equipment), die Pharmazeutische Industrie und die Hersteller von medizinischen Verbrauchsmaterialien (Health Care Supplies). Die gegenüber den Schätzungen niedrigeren Umsätze in der Medizintechnik und bei medizinischen Verbrauchsmaterialien resultieren stellenweise aus der erneuten Pandemiewelle im Winter.

Quelle: Refinitiv / nova funds

Bei den Gewinnerwartungen konnten fast alle Grosshändler und Einzelhandelksketten (Health Care Distributors) die gesteckten Ziele übertreffen. Auch ca. 80% der biomedizinischen Zulieferindustrie erfüllten die Erwartungen, gefolgt von der Biotechnologie mit 68%. Trotz des starken Umsatzwachstums lagen die Technologieanbieter des Gesundheitssektors auf den hinteren Plätzen, zusammen mit den Krankenversicherungsunternehmen (Managed Health Care) und den Betreibern von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (Health Care Facilities).

Quelle: Refinitiv / nova funds

Zusammengenommen lässt sich feststellen, dass die biomedizinischen Zulieferer und die Biotechnologie (teilweise angetrieben durch die Coronavirus-Pandemie) das Gesamtjahr hinsichtlich der Erreichung der Umsatz- und Gewinnerwartungen am besten abgeschlossen haben. Die Technologieanbieter des Sektors konnten dahingegen die starken Umsatzzuwächse nicht in über den Erwartungen liegenden Gewinnanstiege ummünzen.  

Die Coronavirus-Pandemie hat die langfristige Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors nur sehr kurzfristig negativ beeinflusst. Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt und hat den vorherigen Höchststand vom März 2020 überschritten. Im Gegensatz dazu hat sich der Gesamtmarkt (gemessen am MSCI World Index) noch nicht erholt. Die Unternehmensgewinne liegen hier sogar unter den Höchstständen kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2008. Diese Entwicklung verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise die Resilienz der Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen.

Fazit: Auch in der Coronavirus-Pandemie resultiert die Heterogenität der Geschäftsmodelle im Gesundheitssektor in heterogenen Entwicklungen von Umsatz- und Gewinn. Gerade diese Vielfalt können sich Investoren zu Nutzen machen, um auf risikoaverse Weise (z.B. ohne die Biotechnologie) vom mittel- bis langfristigen Kurspotential des Sektors zu profitieren.

Bleiben Sie gesund!

Blutabnahme? Kurz und schmerzlos!

Quelle: istockphoto.com / Kerrick

Roboter halten immer mehr Einzug in die moderne Medizin. Sei es als chirurgischer Roboter im Operationssaal, als Service-Roboter im Krankenhaus oder als fliegender Roboter (auch bekannt als Drohne), der z.B. einen Defibrillator auf kürzester Strecke und Zeit zum Herzinfarktpatienten bringen kann. Auch Blutabnahmen könnten in Zukunft durch einen Roboter erfolgen, bislang geschultem Pflegepersonal und Ärzten vorbehalten ist.

Von Oliver Kämmerer


Die Blutabnahme ist eine Routinearbeit, die insbesondere in der klinischen Diagnostik anfällt. Aber auch in der Notaufnahme, der Intensivversorgung und im Operationssaal ist ein Venenzugang oftmals unerlässlich. Weltweit werden jährlich ca. 4 Mrd. Venenzugänge gelegt und leider geht dabei nicht immer alles glatt. Bei jedem fünften Mal geht etwas schief und bei schwierigen Venenverhältnissen sogar bei jedem zweiten Anlauf. Klinische Tests mit Ratten zeigten, das mit einem von der Rutgers Universität entwickelten Roboter in ca. 84% der Fälle beim ersten Versuch die Blutabnahme erfolgen konnte, aber nur in 55% der Fälle bei der herkömmlichen.

Der Roboter zur Blutabnahme befindet sich z.Zt. noch in der Entwicklungsphase, andere Roboter sind aber schon regelmäßig im medizinischen Alltag anzutreffen. Es gibt beispielsweise Service-Roboter, die im Krankenhaus Bettwäsche an- und abtransportierten oder auch z.B. Medikamente aus der Krankenhausapotheke auf die Station bringen. Auch die Anzahl der medizinisch genutzten Roboter hat stark zugenommen: Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt, dass sich die Anzahl der medizinischen Androiden auf ca. 26.000 Stück im Jahr 2023 im Vergleich zum Ausgangsjahr 2018 vervierfacht haben wird. Einer der Hauptanbieter für Operationsroboter ist das US-Medizintechnikunternehmen Intuitive Surgical (ISRG), das mit ca. 5.800 weltweit installierten Systemen der Marktführer in diesem Segment ist. Aber auch der US-Medizintechnikriese Medtronic gehört zu denjenigen Unternehmen, die zunehmend auf Robotertechnik setzten. 

Quelle: International Federation of Robotics

Der Einsatz von Robotertechnik trägt zur Effizienzsteigerung bei und wirkt dem Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem entgegen (siehe auch nova Blogbeitrag: Baumolsche Krankheit! Was nun?). Insbesondere hilft die Automatisierung von sich wiederholenden und arbeitsintensiven Abläufen, den Kostenanstieg unter Kontrolle zu halten und knappe finanzielle Ressourcen besser einzusetzen. Im Rahmen der automatisierten Blutabnahme könnte die Automatisierung dem Gesundheitssystem Kosten und dem Patienten unnötige Schmerzen ersparen.

Bleiben Sie gesund!