Alle Beiträge von nova funds

Blutabnahme? Kurz und schmerzlos!

Quelle: istockphoto.com / Kerrick

Roboter halten immer mehr Einzug in die moderne Medizin. Sei es als chirurgischer Roboter im Operationssaal, als Service-Roboter im Krankenhaus oder als fliegender Roboter (auch bekannt als Drohne), der z.B. einen Defibrillator auf kürzester Strecke und Zeit zum Herzinfarktpatienten bringen kann. Auch Blutabnahmen könnten in Zukunft durch einen Roboter erfolgen, bislang geschultem Pflegepersonal und Ärzten vorbehalten ist.

Von Oliver Kämmerer


Die Blutabnahme ist eine Routinearbeit, die insbesondere in der klinischen Diagnostik anfällt. Aber auch in der Notaufnahme, der Intensivversorgung und im Operationssaal ist ein Venenzugang oftmals unerlässlich. Weltweit werden jährlich ca. 4 Mrd. Venenzugänge gelegt und leider geht dabei nicht immer alles glatt. Bei jedem fünften Mal geht etwas schief und bei schwierigen Venenverhältnissen sogar bei jedem zweiten Anlauf. Klinische Tests mit Ratten zeigten, das mit einem von der Rutgers Universität entwickelten Roboter in ca. 84% der Fälle beim ersten Versuch die Blutabnahme erfolgen konnte, aber nur in 55% der Fälle bei der herkömmlichen.

Der Roboter zur Blutabnahme befindet sich z.Zt. noch in der Entwicklungsphase, andere Roboter sind aber schon regelmäßig im medizinischen Alltag anzutreffen. Es gibt beispielsweise Service-Roboter, die im Krankenhaus Bettwäsche an- und abtransportierten oder auch z.B. Medikamente aus der Krankenhausapotheke auf die Station bringen. Auch die Anzahl der medizinisch genutzten Roboter hat stark zugenommen: Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt, dass sich die Anzahl der medizinischen Androiden auf ca. 26.000 Stück im Jahr 2023 im Vergleich zum Ausgangsjahr 2018 vervierfacht haben wird. Einer der Hauptanbieter für Operationsroboter ist das US-Medizintechnikunternehmen Intuitive Surgical (ISRG), das mit ca. 5.800 weltweit installierten Systemen der Marktführer in diesem Segment ist. Aber auch der US-Medizintechnikriese Medtronic gehört zu denjenigen Unternehmen, die zunehmend auf Robotertechnik setzten. 

Quelle: International Federation of Robotics

Der Einsatz von Robotertechnik trägt zur Effizienzsteigerung bei und wirkt dem Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem entgegen (siehe auch nova Blogbeitrag: Baumolsche Krankheit! Was nun?). Insbesondere hilft die Automatisierung von sich wiederholenden und arbeitsintensiven Abläufen, den Kostenanstieg unter Kontrolle zu halten und knappe finanzielle Ressourcen besser einzusetzen. Im Rahmen der automatisierten Blutabnahme könnte die Automatisierung dem Gesundheitssystem Kosten und dem Patienten unnötige Schmerzen ersparen.

Bleiben Sie gesund!

Starkes Wachstum im Gesundheitssektor

Quelle: istockphoto.com / Feodora Chiosea

Trotz der der Coronakrise geschuldeten Unsicherheit an den weltweiten Aktienmärkten beschleunigte sich die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors zu Anfang dieses Jahres. Eine erstaunliche Entwicklung vor dem Hintergrund, dass sich die Maßnahmen zur ‚Sozialen Distanzierung‘ negativ auf das wirtschaftliche Umfeld auswirken. Woran lag das und geht die Entwicklung möglicherweise so weiter?
von Oliver Kämmerer

Die folgende Graphik zeigt die Gewinnentwicklung der Unternehmen im weltweiten Aktienmarkt (MSCI World-Index) im Vergleich zur Gewinnentwicklung der Unternehmen im weltweiten Gesundheitssektor (MSCI World Health Care-Index) per 19. März 2020. Neben der Tatsache, dass die Unternehmensgewinne im Gesundheitssektor in den letzten 25 Jahren doppelt so schnell wie die der „Gesamtmarktunternehmen“ gewachsen sind, fällt auf, dass die sich die Gewinnentwicklung trotz Coronakrise zuletzt noch beschleunigt hat.

Quelle: Datastream / nova funds

Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass sich die Ausbreitung des Virus erst im Laufe des Februars und März in Europa beschleunigte. Zuvor war COVID-19 primär auf Asien, insbesondere China beschränkt, und hat somit, gemessen an der Gewinnentwicklung, die weltweite Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und Dienstleistungen nicht merklich negativ beeinflusst.

Weiterhin ist aus der obigen Graphik erkennbar, das wirtschaftliche Rezessionen (in der obigen Graphik grau eingefärbt) die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors kaum beinträchtigen. Selbst die Finanzkrise, die nach der Weltwirtschaftskrise (1929-32) zu der zweitgrößten weltweiten Rezession geführt hat, hinterließ nur eine kleine Delle im ansonsten stetigen Aufwärtstrend.

Aber wirken sich Rezessionen möglicherweise regional gesehen unterschiedlich auf die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors aus? Ein Blick auf Europa zeigt, dass die Schlussfolgerung ähnlich wie die für den weltweiten Aktienmarkt ausfällt. Auch hier zeigen sich die Spuren eines Konjunktureinbruches deutlicher in der Gewinnrezession des Gesamtmarktes (gemessen am EUROSTOXX 600), während die Gewinnentwicklung des EUROSTOXX 600 Health Care-Indexes in eine Seitwärtsbewegung eintritt, um danach seine Aufwärtsentwicklung bei der Gewinnentwicklung fortzusetzen.

Quelle: Datastream / nova funds

Auch in den USA entwickeln sich die Unternehmensgewinne des Gesundheitssektors stetig nach oben. Diese Entwicklung wird auch dort von Rezessionen kaum beeinträchtigt, zumal bis Mitte März keine Verlangsamung der Gewinndynamik erkennbar ist.

Quelle: Datastream / nova funds

Das momentane Bild bedeutet aber keineswegs, dass sich der Gesundheitssektor insgesamt den wirtschaftlichen Konsequenzen der Ausbreitung des Coronavirus entziehen kann. Aber wie auch in den vorhergehenden Rezessionen würden wir von einer Seitwärtsbewegung, bzw. milden und kurzfristigen Gewinnrezession für den Sektor ausgehen. Bestenfalls setzt sich aber die Gewinndynamik leicht abgeschwächt fort, da in dieser Krise ja die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und Produkten verstärkt im Vordergrund steht.

Mittel- bis langfristig würden wir sogar die Prognose wagen, dass eher mehr in den Gesundheitssektor investiert wird, um zusätzliche Kapazitäten für kommende Pandemien vorzuhalten. Denn so müsste das wirtschaftliche Leben in Zukunft möglicherweise nicht vollständig zum Erliegen gebracht werden, um den Ansturm auf das Gesundheitssystem zu vermeiden.

Kein anderer Sektor offeriert Anlegern über die nächsten Jahrzehnte hinweg ein derart hohes, nicht-zyklisches Wachstum

fundplat.com-Interview mit dem Experten Dr. Andreas Bischof der nova funds GmbH.

Herr Dr. Bischof, Ihr Interview im April 2018 titelten Sie mit «Gesundheit? Unverzichtbar!». Diese Worte bekommen aktuell eine ganz neue Dimension. Wie berührt Sie diese Krise als studierter Molekularbiologe ganz persönlich?

Sie erinnert mich an mein «früheres Leben» in Forschungslabors, in denen ich mit molekularbiologischen Methoden virologischen Fragestellungen auf den Grund gegangen bin. Die aktuelle Coronavirus-Situation ist tatsächlich hochdramatisch und zeigt uns allen, dass Gesundheit unverzichtbar war, ist und immer sein wird.

Bedrohlich ist die Coronavirus-Pandemie allerdings weniger wegen ihrer Mortalitätsrate, denn da gibt es weitaus tödlichere Krankheitserreger, wie zum Beispiel das Vogelgrippe-Virus oder das Ebola-Virus. Vielmehr ist es die hohe Infektiosität des Corona-Virus, das auf eine weitestgehend nicht-immune Weltbevölkerung trifft.

So kann dieses Virus trotz seiner vergleichsweisen «geringen» Letalität dennoch zu einer grossen Anzahl Todesfälle in der Weltbevölkerung führen. Diese Anzahl muss natürlich so klein bleiben wie irgend möglich, von daher appelliere ich dringend, sich strikt an die Empfehlungen der Mediziner, beispielsweise des Robert Koch-Instituts, zu halten.

Sie beschäftigen sich seit mehr als 20 Jahren mit Gesundheitsaktien. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern etwas Positives berichten?

Positiv ist in jedem Fall die Geschwindigkeit des Fortschritts in der Medizin, auch wenn es weiterhin einen riesigen ungedeckten Bedarf an besseren Therapien gibt. Als Fondsmanager mit biomedizinischem Hintergrund finde ich es faszinierend, diesen raschen Fortschritt zu verfolgen und quasi an der Schnittstelle zwischen Fortschritt einerseits und Kapitalmarkt anderseits tätig zu sein. Und dabei für die Anlegerinnen und Anleger einen Mehrwert zu generieren, mit einem Thema, das wirklich von grösster Relevanz für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt ist. Im Gegensatz dazu fände ich es beispielsweise sehr uninteressant, in Hersteller von Luxusgütern zu investieren.

Ihr Fonds hat von Citywire, €uro und Morningstar höchste Auszeichnungen bekommen. Was machen Sie besser oder anders als Ihre Wettbewerber?

Nun, unser Healthcare-Fonds investiert fast überhaupt nicht in Pharma- und Biotechunternehmen. Stattdessen konzentriert er sich auf diejenigen Bereiche des weltweiten Gesundheitssektors, die vom typischen Gesundheitsfonds tendenziell eher vernachlässigt werden. Die Corona-Krise zeigt ja ganz deutlich, wie wichtig beispielsweise Atemschutzmasken, Beatmungsgeräte, Krankenhausbetten, Sterilisatoren, Schutzkleidung, diagnostische Test, etc. sind. Wichtig sind diese Dinge natürlich nicht nur in Krisen wie der aktuellen, sondern immer. Von daher investiert der Fonds in eine handverlesene Auswahl von über 1.700 Gesundheitsunternehmen, die sich mit solchen und ähnlichen Produkten und Dienstleistungen befassen, und eben gerade nicht mit Medikamentenentwicklung. Basierend auf dieser Anlagestrategie gehört der Fonds laut Morningstar zu den besten 10 Prozent seiner Kategorie.

Wie positionieren Sie im Moment Ihr Portfolio und auf welchen Zeithorizont planen Sie die Anlagen?

Ehrlich gesagt, hat die Corona-Krise unsere Titelselektion kaum beeinflusst. Wir investieren mit einem Zeithorizont von mindestens drei Jahren in Aktien von Firmen, die auch in Zeiten der Normalität, zu denen wir alle hoffentlich bald zurückkehren, auf attraktiven Geschäftsmodellen basieren. Eher zufällig fanden sich vor diesem Hintergrund schon zu Beginn der Corona-Krise in unserem Portefeuille Aktien von Firmen, die von Corona profitieren, beispielweise Diagnostik-Unternehmen.

Man liest oft, dass nach der Krise der Bereich Gesundheit in Anlageentscheidungen grosser Investoren einen deutlich höheren Stellenwert bekommen wird. Bis vor ganz Kurzem drehte sich fast alles rein ums Thema «ESG». Wie ordnen Sie das ein?

Das kann ich nur begrüssen! Gesundheit war und ist ein «must-have-Investmentsektor», und dies nicht wegen der Corona-Krise, auch wenn sie vielen Anlegern die Unverzichtbarkeit von Gesundheit gerade drastisch vor Augen führt. Kein anderer Sektor offeriert Anlegern über die nächsten Jahr-zehnte hinweg ein derart hohes, nicht-zyklisches Wachstum. Und dies ist auch sehr gut vereinbar mit «ESG»-Themen, wie Morningstar‘s «ESG»-Bestnote von «5 Globen» für unseren Healthcare-Fonds belegt.

PDF des Fundplat Interviews mit Herrn Dr. Andreas Bischof von nova funds