Gesundheitsausgaben: Wahrnehmung fernab der Realität

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Wie das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos Mori in einer vor kurzem veröffentlichten Studie mit dem Titel „Perils of Perception” herausfand, stimmen Wahrnehmung und Realität oftmals nicht überein. Ipsos Mori befragte in 40 Ländern Menschen zur Bevölkerungsstruktur und gesellschaftsrelevanten Themen und fand dabei heraus, dass es stellenweise signifikante Unterschiede zwischen der Wahrnehmung und der Realität gibt.
von Oliver Kaemmerer

Was glauben Sie? Wieviel % des Bruttoinlandsproduktes (BIPs) wird in Deutschland jedes Jahr für Gesundheit ausgegeben? 20%, so die Meinung der Befragten. In Wirklichkeit sind es „nur“ ca. 11% – dennoch ein äußerst stattlicher Betrag vor dem Hintergrund, dass das deutsche BIP im Jahr 2015 mehr als EUR 3000 Mrd. groß war! (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Den Deutschen geht es damit ähnlich wie der Mehrzahl der 27.250 Befragten in 40 Ländern, sie überschätzen den Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt durchschnittlich um ca. 1/5. Die Deutschen liegen mit einer Überschätzung von „nur“ ca. 1/11 also schon näher an der Wahrheit dran.

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In den 22 OECD Ländern, die in der Befragung miteingeschlossen waren, war die Meinung ähnlich wie die der Deutschen, nämlich, dass ca. 20% des BIPs für Gesundheit aufgewendet werden, wobei es im Durchschnitt aber nur ca. 9% sind. Die Polen lagen mit Ihrer Antwort am nächsten an der Wahrheit (sie vertippten sich um nur 4%), wohingegen die Kanadier mit ihrer Einschätzung, die Wahrheit um ganze 18% verfehlten.

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Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die wahrgenommen Gesundheitsausgaben systematisch von den realen Gesundheitsausgaben abweichen. Es wäre sicherlich hilfreich, wenn die Gesundheitsindustrie dieses „Zerrbild“ in Zukunft zu korrigieren versucht. Die gleiche Studie fand übrigens auch heraus, dass die Deutschen glauben, dass ihre Mitbürger weniger glücklich sind als es Studien belegen: Weniger als die Hälfte (45%) der deutschen Bevölkerung würde von sich selbst behaupten, glücklich zu sein, schätzten die Befragten. Dabei gaben in einer aktuellen Studie acht von zehn Befragten an (84%), alles in allem zufrieden zu sein. Soviel zum Thema eigene Wahrnehmung und Realität.