Hightech-Medizin am Herzen

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Es müssen nicht immer Medikamente sein. Ob Herzschrittmacher, Herzklappen, implantierbare Defibrillatoren oder künstliche Stützen für Herzgefäße, die Medizintechnik bietet ein ganzes Arsenal an Produkten, um einem erkrankten Herz und seinen Zuleitungen eine Generalüberholung zu gönnen.

von Oliver Kämmerer, Dipl. Volkswirt, geschäftsführender Gesellschafter, nova fund management GmbH

In diesem Blogbeitrag gehen wir auf die aktuellen medizintechnischen Behandlungsmöglichkeiten der koronaren Herzkrankheit ein, eine Erkrankung, die in vielen Fällen durch eine Verengung der Herzkranzgefäße gekennzeichnet ist. Die Folge ist eine verringerte Durchblutung und damit eine verminderte Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur. Die Diagnose ist dann häufig Angina Pectoris („Enge der Brust- oder des Herzens“) oder viel schlimmer, der Herzinfarkt. Neben den Herzkranzgefäßen können auch die Beinarterien sukzessive verstopfen (die periphere arterielle Verschlusskrankheit), welches zu Schmerzen beim Gehen, oder – im schlimmsten Fall – zur Amputation führen kann. Neben der Bypass-Operation am offenen Herzen wird häufig das minimal-invasive Katheterverfahren angewendet, auf das wir hier näher eingehen

Ballonkatheter werden von Kardiologen zur Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen verwendet. Bei dieser minimal-invasiven Prozedur (so genannte Angioplastie) erfolgt der Zugang des Ballonkatheters über die Leistenarterie, über die der Ballonkatheter dann bis zum verengten Herzkranzgefäß geführt wird. Dort angekommen wird der Ballon ein wenig aufgeblasen, wodurch das verengte Gefäß geweitet wird. Damit sich das so geweitete Gefäß nicht wieder verengt / oder gänzlich verschließt, kann der Kardiologe eine koronare Gefäßstütze (englisch „Stent“) implantieren. Ein Stent ist ein röhrenförmiges, dehnbares Geflecht aus chirurgischem Metall (meistens Kobaltchrom), das das Gefäß von innen stützt und offenhält. Dieser minimal-invasive Eingriff ist weitaus schonender als eine Bypass-Operation, bei der dem Patienten am offenen Herzen eine vorher an den Extremitäten entnommenen Vene oder Arterie eingesetzt wird, um die Engstelle zu überbrücken. Ursprünglich waren die Stents unbeschichtet (so genannte „bare metal stents“). In der Vergangenheit stellte sich jedoch allmählich heraus, dass es an den Rändern und innerhalb des Stents zu unerwünschtem Zellwachstum und somit zu einer erneuten Ausbildung von Engpässen kommen konnte. Daher werden heute hauptsächlich medikamentenbeschichtete Stents (so genannte „drug-eluting stents“) eingesetzt, die das Risiko eines Wiederverschlusses (medizinisch „Restenose“) signifikant reduzieren.


Quelle: MedTech Europe/www.medtecheurope.org

Um auch Restenosen behandeln zu können, sind wirkstoffbeschichtete Ballonkatheter (englisch „drug-coated ballons“) entwickelt worden, bei denen der Ballon das Medikament gegen den erneuten Wiederverschluss an die Gefäßwand abgibt – und nicht der Stent. Medikamentenbeschichtete Ballonkatheter – anstatt Stents – werden vor allem zur Erweiterung verengter Arterien in den (beweglichen) Extremitäten und zur Öffnung verstopfter Stents eingesetzt. Zu den in den USA zugelassenen Produkten gehören z.B. Lutonix von CR Bard und IN.Pact Admiral von Medtronic.

Auch vor den Stents hat die Entwicklung nicht haltgemacht. Kürzlich wurde ein bioabsorbierbarer Stent unter dem Markennamen ABSORB von der Firma Abbott Labs auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zum konventionellen Stent, der im Körper des Patienten verbleibt, löst sich ABSORB innerhalb von zwei Jahren auf. Im Unterschied zu den aus chirurgischem Metall bestehenden, herkömmlichen Stents besteht ABSORB aus Polyactid, einem biokompatiblen Material, das unter anderem auch für selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet wird. Zudem ist es ebenfalls mit einem Medikament beschichtet, das unerwünschtes Zellwachstum und somit einen Wiederverschluß des Gefäßes unterdrückt.

Es müssen nicht immer Blockbuster-Medikamente sein, die einen Milliarden US-Dollar-Markt begründen. Zu seinem Höhepunkt in den Jahren 2005/06 war der Markt für koronare Gefäßstützen mehr als sechs Milliarden US-Dollar groß – heute sind es immer nach stattliche vier Milliarden US-Dollar. Er wird im Wesentlichen von drei Unternehmen dominiert, hierzu zählen die Medizintechnik-Unternehmen Abbott Labs, Boston Scientific und Medtronic. Weiterentwicklungen wie bioabsorbierbare Stents und wirkstoffbeschichtete Ballonkatheter eröffnen neue Therapiemöglichkeiten, die die Vorteile minimal-invasiver Eingriffe mit einer Reduktion unerwünschter Nebenwirkungen kombinieren – zum Wohle des Patienten.