Digitale Gesundheit – Ist die Zeit gekommen?

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Leidet Ihr Netzwerk an iPaditis, Blackberroiden, Androidose, iPhonease oder Smartphonia? Dies fragt eine Werbung von CISCO Systems. Wie „FinTech“ wird „HealthTech“ zunehmend zu einem Schlagwort, das für die digitale Transformation des Gesundheitssektors steht. Der wachsende Kostendruck im Gesundheitswesen, angetrieben unter anderem durch die Alterung der Bevölkerung, führt zu der Suche nach Möglichkeiten, vermeidbare Kosten zu reduzieren, z.B. für chronisch Kranke und Krankenhausaufenthalte.

von Oliver Kämmerer, Dipl. Volkswirt, geschäftsführender Gesellschafter, nova fund management GmbH

Was aber bedeuten Begriffe wie „HealthTech“, „eHealth“, „digital health“, oder „connected healthcare“? Vielen eHealth-Produkten ist gemeinsam, dass diese zunächst Informationen über das Wohlbefinden bzw. der Gesundheit des Benutzers sammeln, diese dann nachfolgend teilen und analysieren / auswerten können. Möglich machen dies miniaturisierte Sensoren sowie der Einsatz von drahtloser Übertragungstechnologie. Zu den eHealth-Anwendungen gehören aber auch Datenbanken (wie z.B. die elektronische Gesundheitsakte oder die menschliche Genomdatenbank), Diagnosesoftware (z.B. für die Diagnose und Behandlung von psychologischen Erkrankungen), Trainingssoftware (z.B. zum Üben von chirurgischen Eingriffen) und der „digitale“ Zugang zu Ärzten (z.B. über ein Smartphone-App), um nur einige Beispiele zu nennen.

Tragbare eHealth-Produkte (so genannte wearables) stellen eine Kategorie von Produkten dar, die Informationen zunächst sammeln. Nachfolgend werden diese Informationen dann entweder an eine andere Applikation zur Weiterverarbeitung übertragen oder das wearable wertet die Daten selbst aus und informiert den Benutzer über das Ergebnis. Tragbare eHealth-Produkte haben oftmals das Format einer Armbanduhr / Smartwatch (Beispiele hierfür sind Garmin, Polar, Fitbit, Mio, Withings, und Under Armour Healthbox), sie können aber auch in Form von Funktionsshirts auftreten (Beispiel HEXOSKIN) oder womöglich zukünftig auch als Kontaktlinse: So entwickelt Novartis zur Zeit eine „smarte“ Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel in der Tränenflüssigkeit misst. Auch Smartphones können in wearables verwandelt werden, indem auf dem Gerät installierte Apps beispielsweise Daten von einem am Körper befestigten Sensor empfangen und verarbeiten, oder eine zurückgelegte Distanz GPS-basiert messen. Viele der oben genannten Produkte dienen momentan überwiegend der Förderung der körperlichen Fitness und weniger der medizinischen Anwendung. Digitale Plattformanwendungen, wie z.B. HealthSuite von Philips nutzen jedoch Smartphones und Tablets um dem Nutzer Daten über die Herzfrequenz, Blutdruck, Schlafrhythmus und Blutzuckerspiegel anzuzeigen – Informationen, die dann auch in Echtzeit einem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt werden können.

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Softwarebasierte eHealth-Produkte ermöglichen z.B. den digitalen Zugang zu Ärzten (z.B. Babylon Health, Teladoc und Ping A Good Doctor), dienen der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen (z.B. Cambridge Cognition, Lyra Health und HeartFlow), oder dem Üben von chirurgischen Eingriffen (TouchSurgery) und der Digitalisierung von Patientenakten (DocuTAP). Um sich einen besseren Überblick über die angebotenen Dienstleistungen und Produkte zu verschaffen, unterteilt StartUp Health den HealthTech Sektor in 10 Kategorien, zu denen neben anderen auch Wellness, personalisierte Gesundheit und Krankenversicherungen gehören.

Das womöglich bekannteste IPO im Jahr 2015 war das von Fitbit, es gab jedoch noch weitere IPOs im Bereich der Genomanalyse (natera, INVITAE), Wellness (MINDBODY), Telemedizin (TELADOC) und der öffentlichen Gesundheit (evolent HEALTH). Auch der Risikokapitalmarkt für eHealth-Unternehmen erfreut sich eines starken Wachstums. Schätzungen von StartUp Health zufolge wurden im 1. Halbjahr 2016 in den USA alleine USD 3,8 Mrd. in junge Unternehmen im Bereich Digitale Gesundheit investiert. In den Jahren 2010 bis 2015 waren es insgesamt USD 21,5 Mrd., davon allein im Jahr 2015 USD 6 Mrd. Manche Beobachter gehen daher davon aus, dass das Fitbit-IPO einen ähnlichen Boom für HealthTech Unternehmen auslösen könnte wie es das Netscape-IPO für den Dotcom Boom war.

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