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Die Alterung zähmen – die TAME-Studie

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Es ist Kreuzblütler-Tag in der Nerd-WG. Dr. Sheldon Cooper stellt nach Analyse seiner voraussichtlich verbleibenden Lebenszeit fest, dass es ihm nicht vergönnt sein wird, den entscheidenden technischen Fortschritt zu erleben, der es ermöglichen wird, sein herausragendes Wissen in einen Roboter zu transferieren und so für die Nachwelt zu erhalten. Es folgt ein strenges Regime in Form von Ernährungsumstellung und kardiovaskulärem Training, um den Alterungsprozess hinauszuzögern. Im Laufe dieser „Big Bang Theory“-Folge nehmen Sheldons Bemühungen um ein gesundes Altern immer skurrilere Ausmaße an, bis er schließlich aus Angst vor Unfällen nur noch mittels eines robotergesteuerten Bildschirms mit der Außenwelt kommuniziert.

von Dr. med. Sarah Nagel

Den Genius eines Menschen für die Ewigkeit zu bewahren ist aber nur einer der Gründe für den Wunsch nach einem langen Leben. Allan Karlsson, der Hundertjährige aus Jonas Jonassons Erfolgsroman, hatte durchaus anderes im Sinn, als er vom Zimmer des Altenheims in die Rabatten und die dahinterliegende Freiheit sprang. Diesen Schritt verdankte der Hundertjährige nicht zuletzt einem altersgemäß guten Allgemeinzustand.

Doch was ist das Geheimnis der Hundertjährigen in geistiger und körperlicher Frische? Sind es Lebensstil- oder genetische Faktoren, die ein gesundes Altern begünstigen? Wissenschaftler beschäftigen sich seit langem mit dieser Frage und versuchen, dem Rätsel der Langlebigkeit auf die Spur zu kommen. Auch im Hinblick auf den zügig voranschreitenden demographischen Wandel rückt das Alter mehr und mehr in den Mittelpunkt medizinischer Forschung, um einer gleichzeitigen Vergreisung der Bevölkerung entgegenzuwirken.

So weisen Ergebnisse einer Studie (LGP1) der Forschergruppe um Nir Barzilai M.D., Professor für Endokrinologie und Genetik sowie Direktor des Instituts für Altersforschung am Albert Einstein College für Medizin in New York City darauf hin, dass ein gesunder Lebenswandel zwar wichtig und empfehlenswert ist, aber nicht den entscheidenden Unterschied ausmacht zwischen dem Erreichen einer durchschnittlichen Lebensdauer2 und dem Erleben des hundertsten Geburtstages. Viele der Hundert- oder fast Hundertjährigen (Alter 95 bis 112 Jahre), die an den Studien teilnahmen, alterten nicht nur langsamer, sondern auch gesünder und beschrieben dabei eine hohe Lebensqualität.

Die Auswertung der Lebensstilfaktoren jener Probanden ergab eine wenig vorbildliche Lebensführung: Mehr als 20% waren bereits im mittleren Alter übergewichtig, mehr als 90% Raucher. Sportler oder Vegetarier war keiner der Untersuchten.

Ein Blick auf die entsprechende Familienhistorie ließ bereits vermuten, dass Langlebigkeit von Generation zu Generation weitergegeben wird. Letztlich gelang durch Genanalysen ein wesentlicher Schritt, um das Phänomen des langsamen Alterns zu entschlüsseln: Zelluläre Alterungsprozesse laufen bei diesen Menschen verzögert ab und somit werden die mit dem Alter assoziierten Krankheiten auch nach hinten verlagert. Die Krankheiten, an denen die Hundertjährigen versterben, sind letztlich dieselben – mit einer Ausnahme: Diabetes trat bei den Hundertjährigen im Vergleich zur rund 30 Jahre jüngeren Kontrollgruppe um ca. ein Drittel seltener auf.

Die entscheidenden, eine Langlebigkeit begünstigenden Faktoren scheinen u.a. mit einem vorteilhaften Verhältnis der Lipoproteine (Cholesterintransporter3) im Blut und somit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert zu sein. Darüber hinaus erbrachten die genetischen Analysen zwei Mutationen im Gen für den IGF-1-Rezeptor4. Der IGF-Signalweg steht schon lange im Verdacht, die Lebenserwartung zu verlängern und vor altersbedingten Erkrankungen zu schützen.

Das sind ernüchternde Erkenntnisse für alle Normalsterblichen, die leider nicht über diese vorteilhaften Mutationen in ihrem Erbgut verfügen Es bliebe noch der regelmäßige Verzehr von Kreuzblütlern. Wäre es da nicht bequemer, statt Kohlgewächsen eine Pille gegen alle gängigen altersbedingten Erkrankungen einzunehmen? Ein Wundermittel mit gleichzeitiger Wirksamkeit gegen kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, Typ-2-Diabetes und die Alzheimer-Krankheit?

die TAME-Studie

Noch ist es Zukunftsmusik, aber in den USA wurde im letzten Herbst eine revolutionäre Studie durch die Arzneimittelbehörde FDA genehmigt. Im Rahmen der sog. TAME-Studie5 („Targeting Aging With MEtformin“) soll untersucht werden, ob ein lange bekanntes und kostengünstiges Antidiabetikum das Altern verzögern kann und somit das Auftreten vieler, vorwiegend altersbedingter Erkrankungen. Niemals zuvor wurde „Anti-Aging“ als Studienindikation von einer Zulassungsbehörde für Arzneimittel anerkannt.

In der wiederum von Nir Barzilai geleiteten Studie sollen ca. 3000 Probanden im Alter von 64 bis 80 Jahren teilnehmen. Nach einer 18-monatigen Rekrutierungsphase wird der durchschnittliche Beobachtungszeitraum 45 Monate betragen. Neben dem Alter müssen die Probanden nur ein weiteres Kriterium erfüllen, um in die Studie eingeschlossen zu werden: Ihre Schrittgeschwindigkeit sollte unter 1m/s liegen.

Realistisch gesehen werden Individuen ohne jegliche Vorerkrankungen in dieser Altersgruppe eher eine Seltenheit sein, daher wird auch eingeschlossen, wer bis zu zwei der chronischen Leiden Krebs, Herzerkrankung oder leichte kognitive Einschränkung aufweist. Untersucht werden soll, ob Metformin das Fortschreiten dieser bestehenden Erkrankungen verzögern oder die Entwicklung einer zusätzlichen verhindern kann. Als Ausschlusskriterium hingegen gilt der manifeste Diabetes mellitus Typ 2, weil Metformin für diese Indikation bereits seit langem anerkannt ist, sowie eine bestehende Demenz oder eine unter Behandlung stehende Krebserkrankung.

Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Zeit bis zum Auftreten einer der typischen altersbedingten Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, Typ-2-Diabetes und Demenz) oder das Versterben der Patienten definiert. Die Studie soll voraussichtlich im Sommer 2017 anlaufen, eine ausreichende Finanzierung vorausgesetzt.

Der weit verbreitete und erprobte Wirkstoff Metformin aus der Gruppe der Biguanide hemmt v.a. die Neubildung von Glukose in der Leber. Metformin wird seit Ende der 1950er Jahre insbesondere bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern angewendet. Abgesehen von gastrointestinalen Beschwerden hat Metformin kaum Nebenwirkungen, sofern die Kontraindikationen beachtet werden. Teilnehmer der TAME-Studie sollen das Medikament in einer Dosierung von 1700 mg/Tag erhalten, aufgeteilt in ein oder zwei Dosen. Neben der bekannten Wirkung auf den Glukosestoffwechsel steht das Medikament nun im Verdacht weiterer Wirkungen, die sich die Forscher für die Langlebigkeit der Bevölkerung zunutze machen wollen.

Obwohl viele Organsysteme von einer diabetestypischen Durchblutungsstörung betroffen sein können, hängt die Lebensprognose der Diabetiker v.a. von einer Verengung der herz- und hirnversorgenden Arterien ab. Im Vordergrund stehen hier die koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt, sowie die Arteriosklerose der Hirnarterien mit der Gefahr eines Schlaganfalls. Einer englischen Studie („UKPDS“6) zufolge konnte im Zusammenhang mit der Einnahme von Metformin bei übergewichtigen Typ 2-Diabetikern eine Verringerung des Auftretens jeglicher diabetesbedingter Endpunkte (32%), diabetesbezogener Todesfälle (42%) und der Gesamtmortalität (36%) im Vergleich mit der konventionell diätetisch eingestellten Kontrollgruppe aufgezeigt werden.

Wie aber kamen die Forscher darauf, dass gerade dieses alte und lange bekannte Medikament auch Gesunden zu mehr Lebensqualität im Alter verhelfen, ja gar das Vergreisen an sich verlangsamen könnte?

In Tierversuchen konnten lebensverlängernde Effekte von Metformin bereits nachgewiesen werden. Bestimmte Mechanismen, die maßgeblich an der Zellalterung (zelluläre Seneszenz) beteiligt sind, bilden einen Angriffspunkt des Medikamentes. Darunter fällt auf molekularer Ebene die Aktivierung der AMP-Kinase, eines Schlüsselenzyms des Stoffwechsels, das die Energieversorgung der Körperzellen reguliert und dessen Aktivierung mit zunehmendem Alter abnimmt.

Dennoch bleiben die Ergebnisse der TAME-Studie abzuwarten. So wäre es denkbar, dass andere Faktoren, die bisher nicht berücksichtigt wurden, für die reduzierte Sterblichkeit, die Verringerung von Herzinfarkten oder das verminderte Krebsrisiko verantwortlich sind. Auch belastbare Daten zur Nutzen-Risiko-Bewertung im Hinblick auf Neben- und Wechselwirkungen bei Nicht-Diabetikern oder Gesunden stehen noch aus.

Allerdings könnte sich eine Bestätigung der Hypothese aus der TAME-Studie neben den beschriebenen individuellen Vorteilen ebenso positiv auf die Entwicklung der Gesundheitsausgaben sowie die Mortalität der Bevölkerung auswirken.

Ein Hundertjähriger, der sein Glück bei bester Gesundheit außerhalb des Altenheims sucht, wird bald vielleicht keine Seltenheit mehr sein.

Bis dahin ist Dr. Coopers Ansatz – wenn auch nicht in dieser Radikalität – eine sinnvolle Alternative. Gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf, Vermeidung von Übergewicht, Stressreduktion, Nichtrauchen und Sport stellen weiterhin das Fundament für langjährige Gesundheit, ebenso wie ein funktionierendes soziales Netzwerk.

1) „Longevity Genes Project“, Albert Einstein College of Medicine
2) in Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung aktuell für Frauen 83,1 Jahre, für Männer 78,1 Jahre
3) geringer LDL-/HDL-Quotient, d.h. hoher HDL-, niedriger LDL-Cholesterinwert
4) „Insulin-like Growth Factor“
5) randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblindstudie
6) United Kingdom Prospective Diabetes Study

 

nova SHC: Mehr als gesund

20161112 Boerse Online - Fonds der Woche

Statt auf Pharma setzt der Gesundheitsfonds auf Werte abseits altbekannter Sektoren.

von Peer Leugermann

Geht es um Profiteure des demografischen Wandels und steigender Gesundheitsausgaben, fallen den meisten genau zwei Branchen ein: Pharma und Biotech. Dabei verdienen weit mehr Branchen an stark alternden Bevölkerungen und deren immer teurerer medizinischer Versorgung. Insgesamt machen Akteure aus zehn Branchen Geschäfte im Milliardenmarkt Gesundheit. Das beginnt bei Pharmakonzernen und geht über Testlabore, IT-Anbieter und Verpackungsproduzenten bis hin zu Arzneimittelvertrieben.

Eurofins etwa machte als Weltmarktführer für Nahrungsmittel- und Umwelttests 2015 fast zwei Milliarden Euro Umsatz, wächst 2016 organisch mit zehn Prozent und erzielt eine Ebitda-Marge von gut 18 Prozent. Die Liste vergleichbar umsatzsstarker und wachsender Unternehmen ließe sich lange fortsetzen. Doch setzen Profianleger kaum auf diese Segmente. Laut einer Studie des jungen Münchner Fondsanbieters Nova Funds steckt der typische Gesundheitsfonds 64 Prozent seiner Mittel in Pharma- und Biotechfirmen.

Ganz anders investiert der Nova SHC. Der im April 2015 gestartete Fonds legt bis zu 100 Prozent in Sektoren außerhalb von Pharma und Biotech an. In beiden Branchen hängt der Erfolg oft von der Entwicklung neuer Medikamente ab. Ein Risiko, das Anbieter von Infektionsschutz, verschreibungspflichtigen Brillengläsern oder Klinikbetten nicht haben. Dennoch darf etwas über ein Fünftel des Volumens in Pharmatiteln stecken.

Die Idee dazu hatte Fondsmanager und Nova-Gründer Andreas Bischof bereits bei der Allianz. Bis zum Aufbruch in die Selbstständigkeit 2013 legte der Molekularbiologe für den Versicherer Milliarden im Gesundheitssektor an. Mit seiner Strategie schlug Bischof den Index MSCI Europe Health ab 2006 durchgehend. Von 2010 bis 2012 lag seine Rendite mit 18,8 Prozent um fast vier Prozentpunkte höher. Derzeit steht der Gesundheitssektor unter Druck, da Hillary Clinton nach einem Sieg überhöhte Medikamentenpreise kappen könnte. Daher hat der Fonds seit Jahresbeginn eingebüßt.
Der internationale Gesundheitsmarkt boomt, die Menschen geben immer für die Gesundheit aus – und die Bevölkerung in den westlichen Staaten wird älter und älter. Das wird in Zukunft für noch mehr Ausgaben in dem Segmentsorgen. Ein lohnendes Investment also? Auf jeden Fall, folgt man Dr. Andreas Bischof. Der Initiator und Manager des Fonds „nova Steady HealthCare“ setzt daher ausschließlich auf diesen Sektor und hat seinen Themenfonds so konzipiert, dass er – mit Ausnahmen – tatsächlich die gesamte Breite des Gesundheitssektors abbildet.

Auf Megatrends setzen

Für ihre Investments schließen Andreas Bischof und sein Kollege, der Gesundheitsanalyst Oliver Kämmerer, Biotechs, Schwellenländer und Firmen mit weniger als 100 Millionen Euro Börsenwert aus und suchen nach medizinischen Megatrends. Auf die Notwendigkeit zu mehr Forschung wird neben Eurofins über Parexel gesetzt. Der Dienstleister führt Medikamentenstudien durch. Lonza und Cambrex liefern mit ihren Grundstoffen die Hacken und Schaufeln zur Wirkstoff-entwicklung. Woran man bei Gesundheit auch denken kann, zeigt VCA Antech. Der Konzern betreibt Haustierkliniken und steckt ebenfalls im Fonds.

Quelle: Boerse Online (12.11.2016): FONDS DER WOCHE

Junger Publikumsfonds: Gesunde Investments – aber anders!

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Der Themenfonds „nova Steady HealthCare“ investiert in acht ausgewählte Segmente des Gesundheitssektors. Die Fondsinitiatoren und -manager Dr. Andreas Bischof und Oliver Kämmerer verweisen auf das generelle Wachstum in diesem Segment.

von Patrick Peters

Der internationale Gesundheitsmarkt boomt, die Menschen geben immer für die Gesundheit aus – und die Bevölkerung in den westlichen Staaten wird älter und älter. Das wird in Zukunft für noch mehr Ausgaben in dem Segmentsorgen. Ein lohnendes Investment also? Auf jeden Fall, folgt man Dr. Andreas Bischof. Der Initiator und Manager des Fonds „nova Steady HealthCare“ setzt daher ausschließlich auf diesen Sektor und hat seinen Themenfonds so konzipiert, dass er – mit Ausnahmen – tatsächlich die gesamte Breite des Gesundheitssektors abbildet.

„Der Gesundheitssektor gliedert sich in zehn Segmente, die auch Subindustrien genannt werden. Dazu gehören die beiden ganz großen, Pharma und Biotechnologie, sowie Anbieter von medizinischen Werkzeugen, Hilfsmitteln, Software etc., Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und viele andere mehr. Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, Biotechnologie aus unserem Fonds auszuschließen, ebenso wie Pharma, bis auf Hersteller von Lifestyle-Produkten, Generika und Tierarzneimitteln. Das liegt unter anderem daran, dass diese beiden Segmente bei Anlegern und Fondsmanagern auf der ganzen Welt bereits seit langem stark im Fokus stehen. Wir machen es anders und konzentrieren uns auf wertstabile und erfolgreiche Unternehmen in den anderen Segmenten des Gesundheitssektors“, sagt der Molekularbiologe, der zuvor viele Jahre im institutionellen Asset Management für den Healthcare-Markt verantwortlich war. „Es existieren rund 1600 börsennotierte Unternehmen, in die wir investieren können, davon finden sich 20 bis 30 in unserem Fonds wieder, mittels derer wir breit diversifizieren und die große Heterogenität des Marktes viel besser ausschöpfen können.“ Die Bandbreite reicht dabei von Anbietern von IT-Lösungen für Krankenhäusern, Praxen und Apotheken über Hersteller von Nahrungsmittel- und Umwelttests bis hin zu Distributoren von Medizinprodukten. Die meisten Investments würden in den USA getätigt. „Das ist der größte Healthcare-Markt mit großen Potenzialen“, sagt Andreas Bischof, und an den Zukunftsaussichten würde auch die US-Präsidentenwahl nichts ändern.

Der Investmentprozess verläuft mehrstufig und beinhaltet neben der Segment- und Aktienanalyse auch eine konsensuale Entscheidung beider Fondsmanager über einen Wert. „Mein Partner Oliver Kämmerer und ich diskutieren alle Anlagen und nur wenn wir beide von einer Aktie überzeugt sind, kaufen wir diese. Das gilt auch im laufenden Management. Spricht sich einer von uns gegen einen Wert im Portfolio aus, wird dieser verkauft“, sagt Andreas Bischof. Bei den Werten komme es den Managern auf die sogenannten „Dauerläufer“ an: Gesucht würden die Unternehmen mit einem besonders langfristigen Gewinnwachstum und guten Zukunftsprognosen, nicht diejenigen, deren Entwicklungen von den höchsten Spitzen bis in die tiefsten Täler hinein schwanken.

Aktuell verwalten Andreas Bischof und Oliver Kämmerer in ihrem vor 18 Monaten aufgelegten Publikumsfonds rund 33 Millionen Euro privater und professioneller Anleger und bieten Anteile sowohl in kleiner Stückelung als auch in institutionellen Groß-Tranchen an.

Quelle: Rheinische Post (04.11.2016): Unabhaengige Vermoegensverwalter EXTRA

Silikon und Botox – Neuer Gesundheitsfonds setzt auf Nischen

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Der Steady HealthCare der Münchner Fondsboutique nova ist ein bisschen exotischer als die üblichen Gesundheitsfonds. Denn statt auf die „Massenmärkte“ Biotech oder Pharma zu setzten, investiert das Management lieber in untypische Subindustrien.

Während typische Gesundheitsfonds etwa zwei Drittel ihres Volumens in Biotechnologie- und Pharma-Aktien stecken, schließt das Fondsmanagement des Steady HealthCare Biotech-Titel kategorisch aus: „Wir investieren nicht in Biotech- oder klassische Pharmaunternehmen, sondern konzentrieren uns auf die Auswahl von besonders stetigen Geschäftsmodellen aus tendenziell vernachlässigten Bereichen des weltweiten Gesundheitssektors“, sagt Oliver Kämmerer, geschäftsführender Gesellschafter bei nova, einer Fondsboutique, die auf Healthcare und den Gesundheitssektor spezialisiert ist.

Nur ein kleiner Teil des Volumens ist in Pharmazie-Aktien investiert – jedoch in recht untypische Vertreter, die im Vergleich zur üblichen Pharma-Branche auch eher untypische Produkte herstellen, wie etwa Botox-Spritzen, Silikonimplantate, Generika oder Tiermedikamente.

Der Großteil des Portfolios konzentriert sich aber auf andere Bereiche: Neben den beiden Riesen, Biotechnologie und Pharmazie, gibt es im Gesundheitssektor nämlich noch acht weitere Subindustrien. Diese werden zwar manchmal vernachlässigt, bieten aber attraktiven Renditechancen bei unterproportionalem Risiko. Diese „verborgenen Schätze“ sucht das Fondsmanagement ganz gezielt für den Steady HealthCare und investiert in Geschäftsmodelle mit Wachstumsperspektive wie etwa Hersteller von Brillengläsern, Hörgeräten, Zahnimplantaten, Diagnostika, Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber, Krankenversicherer, Generika, Medizintechnik, aber auch Ästhetik & Lifestyle.

Einige Weitere Preistreiber mögen europäische Anleger noch etwas überraschen, in den Vereinigten Staaten sind sie schon lange Trend: Krankenhäuser für Tiere. Die Aktie des Tierhospital-Betreibers VCA Antech („Woof“ im NASDAQ) stieg in den vergangenen fünf Jahren um satte 388 Prozent. „Es gibt heutzutage viel mehr kinderlose oder Single-Haushalte und ältere, alleinstehende Menschen. Dieses führt zwangsläufig zu einer Zunahme von Haustieren. Für diese wird natürlich auch medizinisch gesorgt und somit mehr Geld ausgegeben. Es muss wirklich nicht immer Biotech sein“, so Kämmerer.

Fokus auf den USA
Es wundert nicht, dass der Anlageschwerpunkt des Fonds nach Ländern klar in den USA liegt. Doch auch deutsche Unternehmen könnten für das Fondsmanagement interessant sein – hier vor allem in der Medizintechnik und Betreiber von Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Das Anlageuniversum für den Steady HealthCare (ISIN: DE000A1145J0) bilden rund 1.600 „untypische“ Gesundheitsaktien, doch nur zwanzig bis dreißig schaffen es ins Portfolio. „Die Grenze ist starr, sonst kommen irgendwann laufend neue Titel dazu und das Portfolio umfasst irgendwann achtzig bis hundert Titel, wie bei den gängigen Gesundheitsfonds. Wir grenzen uns hier bewusst von den Mitbewerbern ab. Außerdem schaffen es nur wenige Aktien, den hohen Qualitätsanforderungen des Fonds zu genügen“, so Kämmerer.

Die Zukunftsaussichten für den Gesundheitssektor scheint äußerst rosig: „Laut Schätzungen der OECD wachsen die Gesundheitsausgaben schneller als das Bruttoinlandsprodukt. „Auf diesen Prognosen aufbauend erwarten wir – selbst unter Annahme von Kosteneinsparungen – eine etwas mehr als eine Vervierfachung der Gesundheitsausgaben in den Jahren 2010 bis 2060, ohne den Einsparungen sogar eine Versechsfachung. Das globale BIP wächst im Vergleichszeitraum aber nur um den Faktor 2,7.“

Neu auf dem Markt
Ein weiterer Pluspunkt für Kämmerer: „Der ganze Gesundheitsbereich ist relativ konjunkturabhängig. Zudem basiert er auf konstanten Treibern.“ Dazu zählen mehrere Megatrends, die den Effekt noch verstärkten wie das Bevölkerungswachstum, die fortschreitende Alterung, medizinische Innovationen, der Aufbau der Gesundheitssysteme in den Schwellenländern und die Verwestlichung des Lebensstils. Anfang Oktober 2016 haben Forscher des Albert Einstein College of Medicine in New York einen Beitrag im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht, indem die Wissenschaftler sogar davon ausgehen, dass der Mensch sogar maximal bis zu 125 Jahre alt werden kann. Die Untersuchung ergab weiter, dass die Zahl der Hundertzehnjährigen oder noch Älteren bis in die Neunzigerjahre gestiegen ist, seitdem stagniert sie. So kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen weiterhin steigen wird. Diese Konjunkturunabhängigkeit macht auch das Wachstum sehr kontinuierlich.

Der Steady HealthCare wurde erst am 1. April 2015 aufgelegt und hat aktuell ein Volumen von rund 33 Millionen Euro. Daher ist es zu früh, nur auf die Performance zu schauen. Zu Jahresanfang hat der Fonds wie fast alle Aktienfonds deutlich verloren. Der Fonds schlug in den zwölf Monaten seit Auflage am seinen Vergleichsindex (MSCI World Health Care) um rund 3,6 Prozent, und dies bei einer um etwa 3 Prozent geringeren Volatilität. Das Fondskonzept richtet sich laut Emittent an Anleger, die auf risikoaverse Weise am Renditepotenzial des Aktienmarkts partizipieren wollen und mit einem Zeithorizont von mindestens drei Jahren planen.

Quelle: fondsdiscount.de (20.10.2016): Neuer Gesundheitsfonds setzt auf Nischen

Anstieg der Gesundheitsausgaben – Alter ist nicht alles

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Der demographische Wandel, also das Wachstum und die Alterung der Weltbevölkerung, wird landläufig als ein wesentlicher Treiber für den wachsenden Kostendruck im Gesundheitswesen genannt. Da ältere Menschen (über 65 Jahre) deutlich mehr Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen in Anspruch nehmen als jüngere, liegt dieser Gedanke nahe.

von Oliver Kämmerer, Dipl. Volkswirt, geschäftsführender Gesellschafter, nova fund management GmbH

Und in der Tat belegen Zahlen der OECD aus dem Jahr 2013 (siehe folgende Graphik), dass die öffentlichen Gesundheitsausgaben in % des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts mit zunehmendem Alter ansteigen und nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres exponentiell wachsen. Die höchsten Gesundheitsausgaben verursachen Menschen in der Altersgruppe zwischen 85 und 89 Jahren.

Chart 1 Alterung der Bevoelkerung

Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wächst, bedingt durch eine steigende Lebenserwartung einerseits und eine sinkende Geburtenrate andererseits. So soll der Anteil der Über-65-jährigen in Deutschland von 21% im Jahr 2013 auf 33% im Jahr 2060 ansteigen, basierend auf Prognosen des Statistischen Bundesamtes. Einer Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung aus dem Jahr 2012 zufolge steigt das Durchschnittsalter der Deutschen von 43 Jahre auf 47 Jahre im Jahr 2030 an. Für andere Industrienationen ergeben sich ähnliche Bilder.

Legt man also – wie bisher geschehen – bei der Prognose der Gesundheitsausgaben eines Staates ausschließlich die Alterung der Bevölkerung und die mit steigendem Alter anwachsenden Gesundheitsausgaben zu Grunde, ergibt sich die in folgender Graphik schematisch dargestellte Situation, in der die durchschnittlichen staatlichen Gesundheitsausgaben im Jahr 2060 um einen bestimmten Prozentsatz höher liegen als im Jahr 2010.

Chart 2 Alterung der Bevoelkerung

Nach OECD Berechnungen stiegen die Gesundheitsausgaben zwischen 1995 und 2009 inflationsbereinigt um 4,3% p.a. an. Die naheliegende Vermutung ist, dass der demographische Wandel in den Industrienationen substanziell zu diesem Anstieg der Gesundheitsausgaben um 4,3% p.a. beitrug.

Falsch! Denn nur 0,5% dieses jährlichen Anstiegs gehen auf das Konto des demographischen Wandels. Im Vergleich dazu haben andere, Demographie-unabhängige Faktoren viel mehr zum Anstieg der Gesundheitsausgaben in diesen 15 Jahren beigetragen, wie beispielsweise technologische Fortschritte / medizinische Innovationen, institutionelle Rahmenbedingungen und gestiegene Einkommen.

Und künftig? Wird der demographische Wandel denn in Zukunft den Anstieg der Gesundheitsausgaben maßgeblich befeuern? „Jein“ lautet hier die Antwort.

Die obige Graphik unterstellt, dass der Gesundheitszustand einer jeden Altersgruppe über den gesamten, häufig sehr langen Prognosezeitraum gleichbleibt, sich also nicht bessert oder gar verschlechtert. Mit anderen Worten: In der Vergangenheit unterstellten die Prognosen implizit, dass der Gesundheitszustand eines heute 60jährigen so sein würde wie der Gesundheitszustand von 60-jährigen zum Zeitpunkt der Erstellung der Prognose – vor vielen Jahren. Diese Annahme war jedoch realitätsfern; der heutige Gesundheitszustand älterer Menschen ist wesentlich besser als der gleich alten Menschen in der Vergangenheit, und eine Fortsetzung dieser – erfreulichen – Entwicklung sollte auch für die Zukunft unterstellt werden.

Chart 3 Alterung der Bevoelkerung

Wie die voranstehende Graphik zeigt, verschiebt sich durch Berücksichtigung der Verbesserung des altersgruppenbezogenen Gesundheitszustands die Kurve der altersgruppenbezogenen Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben nach rechts. Die Phase des steilen Anstiegs der Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben beginnt also später, erreicht im Zeitverlauf aber mindestens die gleiche absolute Höhe wie zuvor. Das Ausmaß dieser (Rechts-) Verschiebung des Kostenanstiegs um einige (Lebens-) Jahre in die Zukunft wird sich unseres Erachtens weiter vergrößern, angetrieben beispielsweise auch durch HealthTech-Produkte (siehe auch: Digitale Gesundheit – Ist die Zeit gekommen?), die dazu beitragen, Gesundheit und Lebenserwartung weiter positiv zu beeinflussen.

Der demographische Wandel trägt also in der Zukunft weitaus weniger zum Anstieg der Gesundheitsausgaben bei als bisher unterstellt. Die OECD geht in ihrer Studie von 2013 davon aus, dass der demographische Effekt den Anteil der Gesundheitsausgaben am aggregierten OECD Bruttoinlandsprodukt von 5,5% auf 6,2% im Jahr 2060 ansteigen lässt. Demographie-unabhängige Faktoren tragen aber weitere 5,6% bei (unter der Annahme, dass keine Kostensparmaßnahmen ergriffen werden), wie in der folgenden Graphik schematisch dargestellt. Dieser Prognose zufolge würden im Jahr 2060 11,8% des OECD Bruttoinlandsprodukts für öffentliche Gesundheitsausgaben aufgewendet werden.

Chart 4 Alterung der Bevoelkerung

Weiterführende Literatur: (OECD 2013) Public spending on health and long-term care: a new set of projections