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Starkes Wachstum im Gesundheitssektor

Quelle: istockphoto.com / Feodora Chiosea

Trotz der der Coronakrise geschuldeten Unsicherheit an den weltweiten Aktienmärkten beschleunigte sich die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors zu Anfang dieses Jahres. Eine erstaunliche Entwicklung vor dem Hintergrund, dass sich die Maßnahmen zur ‚Sozialen Distanzierung‘ negativ auf das wirtschaftliche Umfeld auswirken. Woran lag das und geht die Entwicklung möglicherweise so weiter?
von Oliver Kämmerer

Die folgende Graphik zeigt die Gewinnentwicklung der Unternehmen im weltweiten Aktienmarkt (MSCI World-Index) im Vergleich zur Gewinnentwicklung der Unternehmen im weltweiten Gesundheitssektor (MSCI World Health Care-Index) per 19. März 2020. Neben der Tatsache, dass die Unternehmensgewinne im Gesundheitssektor in den letzten 25 Jahren doppelt so schnell wie die der „Gesamtmarktunternehmen“ gewachsen sind, fällt auf, dass die sich die Gewinnentwicklung trotz Coronakrise zuletzt noch beschleunigt hat.

Quelle: Datastream / nova funds

Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass sich die Ausbreitung des Virus erst im Laufe des Februars und März in Europa beschleunigte. Zuvor war COVID-19 primär auf Asien, insbesondere China beschränkt, und hat somit, gemessen an der Gewinnentwicklung, die weltweite Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und Dienstleistungen nicht merklich negativ beeinflusst.

Weiterhin ist aus der obigen Graphik erkennbar, das wirtschaftliche Rezessionen (in der obigen Graphik grau eingefärbt) die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors kaum beinträchtigen. Selbst die Finanzkrise, die nach der Weltwirtschaftskrise (1929-32) zu der zweitgrößten weltweiten Rezession geführt hat, hinterließ nur eine kleine Delle im ansonsten stetigen Aufwärtstrend.

Aber wirken sich Rezessionen möglicherweise regional gesehen unterschiedlich auf die Gewinnentwicklung des Gesundheitssektors aus? Ein Blick auf Europa zeigt, dass die Schlussfolgerung ähnlich wie die für den weltweiten Aktienmarkt ausfällt. Auch hier zeigen sich die Spuren eines Konjunktureinbruches deutlicher in der Gewinnrezession des Gesamtmarktes (gemessen am EUROSTOXX 600), während die Gewinnentwicklung des EUROSTOXX 600 Health Care-Indexes in eine Seitwärtsbewegung eintritt, um danach seine Aufwärtsentwicklung bei der Gewinnentwicklung fortzusetzen.

Quelle: Datastream / nova funds

Auch in den USA entwickeln sich die Unternehmensgewinne des Gesundheitssektors stetig nach oben. Diese Entwicklung wird auch dort von Rezessionen kaum beeinträchtigt, zumal bis Mitte März keine Verlangsamung der Gewinndynamik erkennbar ist.

Quelle: Datastream / nova funds

Das momentane Bild bedeutet aber keineswegs, dass sich der Gesundheitssektor insgesamt den wirtschaftlichen Konsequenzen der Ausbreitung des Coronavirus entziehen kann. Aber wie auch in den vorhergehenden Rezessionen würden wir von einer Seitwärtsbewegung, bzw. milden und kurzfristigen Gewinnrezession für den Sektor ausgehen. Bestenfalls setzt sich aber die Gewinndynamik leicht abgeschwächt fort, da in dieser Krise ja die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und Produkten verstärkt im Vordergrund steht.

Mittel- bis langfristig würden wir sogar die Prognose wagen, dass eher mehr in den Gesundheitssektor investiert wird, um zusätzliche Kapazitäten für kommende Pandemien vorzuhalten. Denn so müsste das wirtschaftliche Leben in Zukunft möglicherweise nicht vollständig zum Erliegen gebracht werden, um den Ansturm auf das Gesundheitssystem zu vermeiden.

Kein anderer Sektor offeriert Anlegern über die nächsten Jahrzehnte hinweg ein derart hohes, nicht-zyklisches Wachstum

fundplat.com-Interview mit dem Experten Dr. Andreas Bischof der nova funds GmbH.

Herr Dr. Bischof, Ihr Interview im April 2018 titelten Sie mit «Gesundheit? Unverzichtbar!». Diese Worte bekommen aktuell eine ganz neue Dimension. Wie berührt Sie diese Krise als studierter Molekularbiologe ganz persönlich?

Sie erinnert mich an mein «früheres Leben» in Forschungslabors, in denen ich mit molekularbiologischen Methoden virologischen Fragestellungen auf den Grund gegangen bin. Die aktuelle Coronavirus-Situation ist tatsächlich hochdramatisch und zeigt uns allen, dass Gesundheit unverzichtbar war, ist und immer sein wird.

Bedrohlich ist die Coronavirus-Pandemie allerdings weniger wegen ihrer Mortalitätsrate, denn da gibt es weitaus tödlichere Krankheitserreger, wie zum Beispiel das Vogelgrippe-Virus oder das Ebola-Virus. Vielmehr ist es die hohe Infektiosität des Corona-Virus, das auf eine weitestgehend nicht-immune Weltbevölkerung trifft.

So kann dieses Virus trotz seiner vergleichsweisen «geringen» Letalität dennoch zu einer grossen Anzahl Todesfälle in der Weltbevölkerung führen. Diese Anzahl muss natürlich so klein bleiben wie irgend möglich, von daher appelliere ich dringend, sich strikt an die Empfehlungen der Mediziner, beispielsweise des Robert Koch-Instituts, zu halten.

Sie beschäftigen sich seit mehr als 20 Jahren mit Gesundheitsaktien. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern etwas Positives berichten?

Positiv ist in jedem Fall die Geschwindigkeit des Fortschritts in der Medizin, auch wenn es weiterhin einen riesigen ungedeckten Bedarf an besseren Therapien gibt. Als Fondsmanager mit biomedizinischem Hintergrund finde ich es faszinierend, diesen raschen Fortschritt zu verfolgen und quasi an der Schnittstelle zwischen Fortschritt einerseits und Kapitalmarkt anderseits tätig zu sein. Und dabei für die Anlegerinnen und Anleger einen Mehrwert zu generieren, mit einem Thema, das wirklich von grösster Relevanz für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt ist. Im Gegensatz dazu fände ich es beispielsweise sehr uninteressant, in Hersteller von Luxusgütern zu investieren.

Ihr Fonds hat von Citywire, €uro und Morningstar höchste Auszeichnungen bekommen. Was machen Sie besser oder anders als Ihre Wettbewerber?

Nun, unser Healthcare-Fonds investiert fast überhaupt nicht in Pharma- und Biotechunternehmen. Stattdessen konzentriert er sich auf diejenigen Bereiche des weltweiten Gesundheitssektors, die vom typischen Gesundheitsfonds tendenziell eher vernachlässigt werden. Die Corona-Krise zeigt ja ganz deutlich, wie wichtig beispielsweise Atemschutzmasken, Beatmungsgeräte, Krankenhausbetten, Sterilisatoren, Schutzkleidung, diagnostische Test, etc. sind. Wichtig sind diese Dinge natürlich nicht nur in Krisen wie der aktuellen, sondern immer. Von daher investiert der Fonds in eine handverlesene Auswahl von über 1.700 Gesundheitsunternehmen, die sich mit solchen und ähnlichen Produkten und Dienstleistungen befassen, und eben gerade nicht mit Medikamentenentwicklung. Basierend auf dieser Anlagestrategie gehört der Fonds laut Morningstar zu den besten 10 Prozent seiner Kategorie.

Wie positionieren Sie im Moment Ihr Portfolio und auf welchen Zeithorizont planen Sie die Anlagen?

Ehrlich gesagt, hat die Corona-Krise unsere Titelselektion kaum beeinflusst. Wir investieren mit einem Zeithorizont von mindestens drei Jahren in Aktien von Firmen, die auch in Zeiten der Normalität, zu denen wir alle hoffentlich bald zurückkehren, auf attraktiven Geschäftsmodellen basieren. Eher zufällig fanden sich vor diesem Hintergrund schon zu Beginn der Corona-Krise in unserem Portefeuille Aktien von Firmen, die von Corona profitieren, beispielweise Diagnostik-Unternehmen.

Man liest oft, dass nach der Krise der Bereich Gesundheit in Anlageentscheidungen grosser Investoren einen deutlich höheren Stellenwert bekommen wird. Bis vor ganz Kurzem drehte sich fast alles rein ums Thema «ESG». Wie ordnen Sie das ein?

Das kann ich nur begrüssen! Gesundheit war und ist ein «must-have-Investmentsektor», und dies nicht wegen der Corona-Krise, auch wenn sie vielen Anlegern die Unverzichtbarkeit von Gesundheit gerade drastisch vor Augen führt. Kein anderer Sektor offeriert Anlegern über die nächsten Jahr-zehnte hinweg ein derart hohes, nicht-zyklisches Wachstum. Und dies ist auch sehr gut vereinbar mit «ESG»-Themen, wie Morningstar‘s «ESG»-Bestnote von «5 Globen» für unseren Healthcare-Fonds belegt.

PDF des Fundplat Interviews mit Herrn Dr. Andreas Bischof von nova funds

Dr. Lassie auf die Station bitte!

Quelle: istockphoto.com / FatCamera

Eine neue, nicht medikamentöse Therapieform erfährt zunehmend Aufmerksamkeit. Sie ist mit einem Fell, einem Schwanz und vier Beinen versehen und kann bellen! Der Hund ist nicht nur ein beliebtes Haustier, sondern wird verstärkt auch als eine Therapieform im häuslichen sowie auch stationären Krankenhausbereich, insbesondere auf der Intensivstation eingesetzt.

Von Oliver Kämmerer

Studien haben gezeigt, dass ein 12-minütiger Besuch eines Hundes, bei einem unter Herzversagen leidenden, stationären Patienten den Angstzustand des Patienten um 24% reduzieren konnte. Der Besuch eines freiwilligen Helfers dahingegen nur um 10%. Aber auch auf der Intensivstation können Hunde zur Verbesserung des Wohlbefindens dienen, wie eine im Jahr 2018 veröffentliche Studie im medizinischen Fachjournal Critical Care¹ zeigen konnte.

Im häuslichen Bereich leiden ältere Menschen nicht nur unter Einsamkeit, sondern auch unter Alterserkrankungen, wie z.B. Demenz, Parkinson und Alzheimer. Auch hier helfen Haustiere, hauptsächlich Hunde, die Symptome zu lindern. Aber was tun, wenn ein älterer Mensch seinen Verpflichtungen gegenüber einem Haustier nicht mehr nachkommen kann?

Quelle: Tobot

Die Mutter von Tom Stevens, dem Gründer der Firma Tombot, stand vor gerade diesem Dilemma. Aufgrund ihrer fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung konnte sie sich um ihren Goldendoodle (eine Kreuzung aus Golden Retriever und Pudel) namens Golden Bear nicht mehr ausreichend kümmern. Gleichzeitig war Golden Bear ihr ein und alles und der unausweichliche, nahende Abschied von ihm verstärkte das Gefühl der Einsamkeit und ihre Depressionen.

Ihr Sohn Tom Stevens suchte nach einer Lösung, gründete das Unternehmen Tombot und entwickelte einen Robo-Hund. Ein mit Sensoren ausgestatteter Labrador-Welpe, der auf Kommandos hört und dabei die Geräusche eines 12 Wochen alten Hundes macht. Anstatt ihn regelmäßig zu füttern wird er abends an die Steckdose angeschlossen, sodass er am nächsten Morgen seine Aufgaben als anschmiegsames und pflegeleichtem Haustier nachkommen kann.

Aber Roboter sind nicht nur als therapeutische Haustiere im Einsatz, sondern z.B. auch als Operationsroboter in der Chirurgie, wo sie dazu beitragen, das zur Operation nötige Fachpersonal zu reduzieren und die Erholungszeiten nach dem Eingriff zu reduzieren. Fliegende Roboter (Drohnen) ermöglichen es, Defibrillatoren schnellstmöglichst zum Einsatzort zu bringen und so Leben zu retten. Und für besonders monotone und schwere Arbeiten können Service-Roboter eingesetzt werden, die im Krankenhausbereich z.B. Müll entsorgen, Medikamente auf die Station bringen und Wäsche transportieren. Die lebendige Dr. Lassie ist uns dennoch am sympathischsten!

¹ Quelle: Critical Care (2018): Animal-assisted intervention in the ICU: a tool for humanization

Die Drohnen kommen

Quelle: iStockphoto.com / koya79

Es wird Frühling. Ein freundlicheres und wärmeres Wetter holt die Natur aus ihrem Winterschlaf. Das galt bisher für Pflanzen und Tiere. Und nun auch für Drohnen: Auf dem Campus des WakeMed Krankenhauses im US Bundesstaat North Carolina müssen sich die ihrem Tagesgeschäft nachgehenden Insekten und Vögel seit kurzem den Luftraum mit Drohnen teilen. Diese eilen nun mindestens sechs Mal täglich und fünf Tage in der Woche zwischen den Laborstätten und Behandlungseinrichtungen des Klinikkomplexes hin und her.

Von Oliver Kämmerer

Dieses sind die ersten, von der US Flugaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) zugelassenen, regulären kommerziellen Drohnenflüge, die vom Logistikunternehmen UPS durchgeführt werden. Bluttests können hiermit z.B. schneller analysiert werden. Später sollen auch Gewebeproben per Drohne über das Krankenhausareal transportiert werden. Der Einsatz von Drohnen in weiteren Krankenhauskomplexen in den USA ist für den Verlauf des Jahres 2019 vorgesehen.

Da mit Drohnen physische Barrieren umflogen werden können, ist Ihr Einsatz auch dort von Vorteil, wo bestimmte Dinge schnell zum Empfänger gebracht werden müssen. Wenn in der Notdienstzentrale in Reno im US Bundesstaat Nevada ein Notruf eingeht, bei dem der Patient einen Herzstillstand erlitten hat, schickt der Drohnenbetreiber Flirtey eine Drohne mit einem Defibrillator an die Unfallstelle, da diese den Ort des Geschehens schneller erreichen kann, als der gleichzeitig angeforderte Krankenwagen. Jährlich erleiden zirka 360.000 Menschen in den USA einen Herzinfarkt und weniger als 10% überleben diesen. Eine zeitnahe Erstversorgung ist dabei überlebenswichtig. Jede Minute, die ungenutzt verstreicht, verringert die Überlebenschancen um 10%.

Eine im Jahr 2017 in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlichte Studie aus Schweden¹ zeigte, dass der Einsatz von Drohnen, das Eintreffen eines Defibrillators beim Patienten wesentlich verkürzen können. Im Vergleich zum Rettungswagen trafen Drohnen im Durchschnitt um mehr als 16 Minuten früher am Einsatzort an. Eine im selben Jahr durchgeführte, in der Fachzeitschrift Circulation veröffentlichte, kanadische Studie² zeigte, dass in städtischen Regionen der per Drohne gelieferte Defibrillator um mehr als 6 Minuten schneller am Einsatzort war. In ländlichen Regionen baut sich dieser zeitliche Vorsprung im Vergleich zum Rettungswagen sogar auf mehr als 10 Minuten aus.

Aber nicht nur fliegende Robotik findet Eingang in den medizinischen Alltag. So sind z.B. Service Roboter (z.B. zum Transport von Medikamenten, Wäsche und Müll) und chirurgische Roboter in Krankenhäusern anzutreffen. Das Zusammenspiel aus Robotik und künstlicher Intelligenz haben wir auch in unserem Blogbeitrag „Dr. Robot – Roboter am Krankenbett?“ näher beleuchtet. Mittlerweile sind mehr als 4.986 da Vinci Operationsroboter des Herstellers Intuitive Surgical weltweit im Einsatz und die möglichen Einsatzgebiete innerhalb der Chirurgie sind vielfältiger geworden.

Quelle: iStockphoto.com / 3alexd

Der Einsatz von Robotertechnik wirkt natürlich dem Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem entgegen (siehe auch nova Blogbeitrag: Baumolsche Krankheit! Was nun?). Insbesondere hilft die Automatisierung von sich wiederholenden und arbeitsintensiven Abläufen den Kostenanstieg unter Kontrolle zu halten und knappe finanzielle Ressourcen besser einzusetzen. Deswegen erstaunt es nicht, dass die International Federation of Robotics (IFR) davon ausgeht, dass der Einsatz von Robotern im medizinischen Bereich weiter ansteigt. Alleine im Jahr 2018 wurden mit 4.400 Einheiten bei einem Umsatz von USD 2,3 Mrd. 49% mehr Einheiten als im Vorjahr abgesetzt. In den Jahren 2019 bis 2021 sollen nach Schätzungen der IFR ca. 7.400 Einheiten pro Jahr abgesetzt werden, was einem Anstieg um durchschnittlich 27% pro Jahr entspricht.

Ob in der Luft oder am Boden. Immer Menschen werden medizinischen Robotern in Zukunft begegnen. Ein Phänomen, das langfristig zum Alltag gehören wird.

¹ Quelle: JAMA (June 13, 2017): Time to Delivery of an Automated External Defibrillator Using a Drone for Simulated Out-of-Hospital Cardiac Arrests vs Emergency Medical Services
² Quelle: Circulation (June 20/27, 2017): Optimizing a Drone Network to Deliver Automated External Defibrillators