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So finden Sie die besten Fondsmanager

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Bei Aktienfonds zahlen Anleger Geld dafür, dass Manager die richtigen Wertpapiere auswählen. Da lohnt sich ein Blick darauf, was die Manager vorher gemacht haben.

von Nadine Oberhuber

Beim Satz „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ kommt vielen ein Horrorfilm in den Sinn. Anleger aber, die diesen Satz sagen, weil sie wissen, was ihr Fondsmanager im vergangenen Jahr getan hat oder zuvor, haben keinen Grund zum Gruseln. Im Gegenteil, Forscher haben herausgefunden: Hat der Manager eines Aktienfonds zuvor handfeste Erfahrungen in einer anderen Branche gesammelt, etwa in Maschinenbau, Biotechnologie oder Medizin, kauft er wesentlich bessere Aktien, wenn es um eben diese Branche geht. Wer also auf Fonds mit solchen Managern setzt, kann sich meist über höhere Renditen freuen.

Natürlich gilt das nicht pauschal. Außerdem ist es nicht leicht, herauszufinden, welche Fondsverwalter überhaupt zu den Quereinsteigern der Finanzbranche gehören. Dennoch lohnt ein Blick auf die Lebensläufe. Letztere sind nämlich einer der wenigen aussagekräftigen Faktoren, wenn es darum geht, die Erfolgsaussichten eines gemanagten Fonds einzuschätzen.

Gerade die aktiven Fonds machen es Anlegern sonst nicht gerade leicht: Es gibt Zehntausende auf dem Markt und sie erfreuen sich großer Beliebtheit. Schließlich verspricht jeder Manager, dass er so gut Aktien aussuchen und zusammenstellen werde, dass sich der Fonds langfristig für Anleger lohne. Dass er also deutlich mehr Gewinn einspiele, als das Fondsmanagement an Kosten verursache. Diese Aussicht auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung ist es, die viele Käufer in aktive Produkte lockt und nicht in die passiven Indexfonds (ETF). Die ETF sind zwar viel günstiger, weil sie sich das Management sparen, doch sie können stets nur so gut sein wie der Börsenindex, den sie abbilden. Sie sind also immer bloß Marktdurchschnitt – und können den Markt nie schlagen.

Genau das wollen die aktiven Fonds, doch haben unzählige Untersuchungen gezeigt: Die meisten von ihnen schaffen es nicht. „Die allerwenigsten Fonds schlagen den Markt kurzfristig, langfristig schafft es keiner. Die meisten Manager, die heute den Markt übertrumpfen, schlagen ihn schon im nächsten Jahr nicht mehr“, das ist eine der Kernthesen von Martin Weber, Professor für Behavioral Finance an der Universität Mannheim. Inzwischen sind sich Wissenschaftler weltweit einig, dass es aktiven Fonds im Schnitt nicht gelingt, eine Überrendite zu erwirtschaften, die so hoch ist, dass sie die höheren Managementkosten ausgleicht. Eine Auswertung des Instituts für Vermögensaufbau drückte das in Zahlen so aus: Über drei Viertel aller aktiven Fonds sind nach Kosten höchstens so gut wie der Markt, also die Passivfonds.

Doch im Umkehrschluss heißt das: Ein knappes Viertel schlägt sich tatsächlich besser. Manche sogar längerfristig. Auf zehn Jahre gesehen übertrumpft knapp jeder fünfte Aktivfonds seinen Vergleichsindex, ergab eine Untersuchung des Analysehauses Lipper von 35.000 europäischen Anlageprodukten. Bloß, wie findet man die?

Das ist die Frage, an der Forscher sich seit Jahren abmühen: Wann ist ein Fonds langfristig erfolgreich? Wenn er besonders klein oder groß ist? Wenn er sein Geld besonders breit streut? Wenn er viele Standardaktien und wenige exotische im Portfolio hat – oder umgekehrt? Auf viele dieser Fragen sind die Antworten vage. Nur eines zeichnet sich ab: Fonds, deren Manager sehr eigenwillig anlegen, also fern vom jeweiligen Vergleichsindex, sind meist erfolgreicher als diejenigen, die sich eng an den Index klammern.

So ist das Augenmerk auf die Verwalter gewandert und die Frage: Wie viel trägt überhaupt der Fondsmanager zum Erfolg bei und woran erkennt man einen guten? Das versuchen Analysegesellschaften wie Sauren in Manager-Ratings zu erfassen. Bei ihnen gilt der Manager sozusagen als wichtigstes Glied in der Erfolgskette, deshalb werten sie detailliert Anlagephilosophien und daraus resultierende Wertentwicklungen aus.

Die Forschung warnt jedoch auch, dass die Wertentwicklung nicht alles sagt: Gerade die Fonds mit der historisch höchsten Performance gehören auf lange Sicht höchstwahrscheinlich nicht zu den guten und sicheren Fonds, sondern eher zu den schlechten und riskanten Papieren. In der Regel resultieren solche Überrenditen daraus, dass ein Verwalter besonders gewagte Anlageentscheidungen trifft – und zufällig Glück damit hat. Überdies zeugt ein guter Fonds noch lange nicht von überragenden Managementqualitäten. Je mehr Fonds ein Manager verwaltet, desto eher ist ein TopPerformer darunter.

Aber wenigstens ein gut ausgebildeter Manager müsste sich doch für die Anleger auszahlen, oder? Eine internationale Forschergruppe am deutschen Center for Financial Research prüfte genau das. Sie verglich, ob Fondsverwalter mit Abschlüssen von renommierten Universitäten wie Harvard, Yale oder der London School of Economics signifikant bessere Ergebnisse erzielten. Das Resultat war ernüchternd: In den gut beackerten Fondsbereichen bringen selbst Top-Absolventen keine bessere Leistung. Ihre Qualität können sie nur dort ausspielen, wo die Märkte ineffizient sind, also in Segmenten, in denen es um wenig gehandelte, sehr spekulative Papiere geht. Bei Anleihenfonds etwa, die im „sub investment grade“ investieren, also in Anleihen von nicht sehr kreditwürdigen Schuldnern mit größerem Ausfallrisiko. Bei Papieren mit gutem Rating dagegen hatten die gut Ausgebildeten keine Vorteile.

Daraufhin fragten sich die Forscher: Gibt es eine Kombination von Mensch und Markt, die besonders gut funktioniert? Sie kamen auf die Idee, den Erfolg von Quereinsteigern zu untersuchen. Sie durchforsteten die Lebensläufe von 1400 amerikanischen Fondsmanagern danach, ob sie zuvor in anderen Branchen gearbeitet hatten. Zu etlichen Managern fanden sie gar keine Biographieangaben, identifizierten aber immerhin 130 „Exoten“. Die hatten zwischen 1996 und 2009 im Alleingang durchgängig einen Aktienfonds gesteuert und zwar einen breit aufgestellten. Darauf kam es besonders an, denn die Forscher wollten vergleichen, ob die Aktien, die der Manager aus seiner Ex-Branche hielt, deutlich anders abschnitten als die übrigen Aktien im Portfolio. Das Ergebnis war eindeutig.

Die Exoten erzielten mit den Aktien ihrer Branche deutliche Überrenditen. „Auf zwölf Monate gesehen waren es 3,42 Prozentpunkte“, sagt Monika Gehde-Trapp, Professorin an der Universität Mannheim und am Centre for Financial Research, „und die Überrendite steigt sogar mit der Zeit: Auf drei Jahre gesehen waren es 5,47 Prozentpunkte.“ Und dafür hatten die Fondsmanager nicht etwa hochspekulative Papiere gekauft: „Auf das Risiko angepasst ergab sich immer noch eine Zusatzrendite von 3,28 bis 4,7 Prozent.“ Die Forscher stellten fest, dass die Manager aus ihrer angestammten Branche nicht nur bessere Aktien auswählten, sondern die auch zu einem besonders günstigen Zeitpunkt kauften oder verkauften. „Gerade die Fähigkeit zum Timing ist groß und beachtlich“, findet Gehde-Trapp. Denn genau die sprechen viele Studien dem Normalanleger rundweg ab – und ob durchschnittliche Fondsmanager sie haben, darüber streiten die Gelehrten seit Jahren.

Je höher übrigens die Position war, die der Exot zuvor bekleidete und je technischer, desto stärker fiel der Effekt aus. War er etwa leitender Ingenieur, Chef im Chemielabor oder technischer Direktor statt Vertriebschef oder Controller, konnte er deutlich mehr Gewinn aus seiner früheren Branche schlagen. Daraus leiten die Autoren der Studie ab: „Fondsgesellschaften sollten vor allem Sektorfonds aus Branchen wie Biotech, Pharma oder Automotive mit solchen Managern besetzen, dann können die Branchenkenner ihre Stärken voll ausspielen. Und die Gesellschaften könnten die Branchenexpertise ihrer Manager viel stärker als Verkaufsargument nutzen.“

In der Praxis tut das allerdings kaum eine der Gesellschaften offensiv. Detaillierte Lebensläufe veröffentlichen die wenigsten von ihren Produktverantwortlichen. Deshalb ist es für Anleger schwer, herauszufinden, in welchen Fonds solche Exoten für Mehrrenditen sorgen könnten. Man muss schon auf eigene Faust eine ganze Menge Firmenwebsites absurfen, Branchendienste lesen oder soziale Netzwerke wie Xing und LinkedIn nach den Namen von Fondsmanagern durchforsten, bis man auf Beispiele stößt wie den Chemiker Michael Dauchot, der bei der Allianz einen Health-Science-Fonds managt. Oder auf ErdölIngenieur Colin Stone, der für Fidelity den European Opportunities Fund verantwortet. Auch Andy Weir von Fidelity ist Ingenieur, kommt aus der Halbleiterphysik und ist für mehrere Fonds zuständig. Der Molekularbiologe Andreas Bischof hat mit nova funds gleich selbst eine Fondsgesellschaft gegründet, die sich auf den Medizinbereich spezialisiert.

Wer so eine Manager-Perle gefunden hat, kann nun nicht automatisch davon ausgehen, dass sein Fonds überragend läuft und tatsächlich fünf Prozent zusätzlich pro Jahr abwirft. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Geld wert sind, ist erheblich größer als bei vielen ihrer Kollegen.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 30.11.2014, Nr. 48, S.35
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Ausdauer verorte ich bei Stiftungen schon

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Dr. Andreas Bischof, nova fund management GmbH, Diskutant bei den Zürcher StiftungsDialogen, über die Investmentchancen von Stiftungen im Gesundheitssektor sowie eine impact-orientierte Anlagestrategie

DIE STIFTUNG: Sie sind im Gesundheitsbereich aktiv und managen hier einen Aktienfonds. Wo leiten Sie hier eine Form des Mission Investing ab?

Dr. Andreas Bischof: In meinen Augen müssen Stiftungen hier nicht sehr weit um die Ecke denken. Gesundheit ist ein hohes Gut. Seine Produkte und Dienstleistungen sind unverzichtbar. Daher geht uns der Gesundheitssektor nicht nur alle persönlich an, sondern deshalb hat er auch eine große Relevanz für jede Volkswirtschaft. Aus Sicht eines Anlegers hat der Gesundheitssektor den Vorteil, dass er relativ groß ist, es existieren ja allein 3.000 börsennotierte Unternehmen. Interessanterweise gibt es nicht nur Pharma- und Biotechunternehmen, sondern eine sehr heterogene Landschaft von Marktteilnehmern, was es ermöglicht, sehr unterschiedliche Investmentportfolios zu konzipieren. Bezogen auf Stiftungen heißt das, es ist möglich, ein konservativ ausgestaltetes Portfolio mit einem schönen Ausschüttungsprofil zusammenzustellen, das auch – über den Gedankengang der gesellschaftlichen Relevanz des Sektors – einen Einstieg ins Mission Investing bieten kann.

DIE STIFTUNG: Ist es vor allem diese Langfristigkeit, die den Gesundheitssektor für Investments prädestiniert?

Bischof: Die Zeitachsen passen hier ganz gut zusammen. Die Produktentwicklung dauert in dem Sektor vergleichsweise lange, was von Investoren wiederum Durchhaltevermögen und eine gewisse Ausdauer verlangt. Diese verorte ich bei Stiftungen schon. Die Früchte einer erfolgreichen Produktentwicklung werden dann aber auch über viele Jahre geerntet, so dass Stiftungen für ihre Geduld auch ganz ordentlich belohnt werden.

DIE STIFTUNG: Apropos Belohnung. Wie ist man denn erfolgreich im Gesundheitsbereich?

Bischof: Erfolg ist ja relativ, eine Stiftung muss hier zunächst genau ihre Ziele definieren, damit im Anschluss daran die passende Strategie zur Zielerreichung entwickelt werden kann. Stiftungen müssten die Fragen beantworten, wie viel sie bereit sind, in den Gesundheitsbereich zu investieren und wie viel Risiko sie gegebenfalls zu (er-) tragen bereit sind. Wie lange will ich investieren, und welche Kandidaten passen zu meinen in der Satzung festgelegten Prämissen? Wichtig bei der Beantwortung dieser Fragen ist, dass Interdependenzen bei den Fragen beachtet werden müssen, keine der Fragen also isoliert gesehen werden darf. Mir erscheint es aber ratsam, dass eine generalistisch aufgestellte Stiftung hier nicht allein agiert, nicht jeder hat interne Berater wie Dietmar Hopp, der ja eine Biotechnologie-Strategie fährt, und nicht jede Stiftung hat die Möglichkeiten einer Bill und Melinda Gates-Foundation.

DIE STIFTUNG: Die wenigsten Stiftungen haben diese Expertise.

Bischof: Dann sollten sie sich externer Experten bedienen, die den Sektor gut kennen und permanent beobachten. Der Gesundheitssektor entwickelt sich sukzessive weiter, vor allem angetrieben durch Innovationen auf Produktebene. Diese braucht enorme finanzielle Ressourcen, was bei vielen Firmen mangels Größe nicht gegeben ist. Es ließen sich mit größeren finanziellen Ressourcen mehr Indikationsgebiete gleichzeitig angehen und Produkte schneller entwickeln. Exakt an diesem Punkt könnte eine impact-orientierte Anlagestrategie einer Stiftung ansetzen. Stiftungen können das gesamte Unternehmen unterstützen, etwa über den Kauf einer Aktie, oder aber sie pickt sich einen Aspekt oder ein Projekt heraus, der am besten zu ihrer Strategie passt, wobei wir hier von Einzelinvestments in größerem Maßstab sprechen. Auf diese Art und Weise können Stiftungen dazu beitragen, dass Medikamente überhaupt entwickelt werden und Patienten somit eine Heilungschance erhalten.

DIE STIFTUNG: Also sollten mehr Stiftungen Anteile an Gesundheitsunternehmen halten?

Bischof: Hier würde ich Ihnen beipflichten. Bedürftig in Anführungsstrichen sind vor allem kleinere Gesundheitsunternehmen, die eine lange ruhige Hand eines Investors durchaus zu schätzen wissen.
Produktentwicklungen brauchen 10 Jahre, und diese Zeit haben Stiftungen in meinen Augen. Die Gates-Foundation lässt Impfstoffe herstellen für Länder der Dritten Welt, die für die großen Pharmaplayer kein Marktpotential bieten. Sicherlich hat nicht jede Stiftung die Mittel einer Gates-Foundation zur Verfügung, aber Stiftungen können und sollten über solche Mechanismen nachdenken. Vielleicht ergeben sich auch Kooperationsideen mit Stiftungen wie der Novartis-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Behandlungserfolge von Patienten in Niedrig- und Mittellohnländern zu verbessern.

DIE STIFTUNG: Sicherlich auch ein Punkt, den wir auf den Zürcher StiftungsDialogen diskutieren können. Was erwarten Sie sich von der Premiere?

Bischof: Ich erwarte mir einen offenen Gedanken- und Ideenaustausch mit Stiftungen und allen, die Interesse am Gesundheitssektor haben.

DIE STIFTUNG: Und das wird ja vermutlich für eine Mehrheit der Gäste zutreffen. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

Foto_AB_2Der Molekularbiologe Dr. Andreas Bischof ist geschäftsführender Gesellschafter der nova fund management GmbH. Zuvor betreute er eines der weltweit größten Aktienportfolios im Gesundheitsbereich als Investment Manager Healthcare bei der Allianz SE. Veranstaltungshinweis: Dr. Andreas Bischof können Sie auf den Zürcher StiftungsDialogen am 26.11. als Diskutant im Roundtable „Mission Investments & Impact Investing“ kennenlernen. Alle Informationen zur Veranstaltungen finden Sie hier.

Quelle: http://www.die-stiftung.de/vermoegen-maerkte/ausdauer-verorte-ich-bei-stiftungen-schon-39347