Alle Beiträge von fundnova

Gesundheit ohne Medikamente

iStock_49499448_XLARGE

Die Kurse von Biotechnologie-Aktien erscheinen in diesen Wochen wieder einmal tiefrot, mehr als zehn Prozent hat der Sektor seit Jahresanfang bereits verloren, und viele Anleger dürften der hochspekulativen Branche deshalb den Rücken kehren. Dabei wächst der Gesundheitssektor nachhaltig sowie konjunkturunabhängig und besteht aus weit mehr als nur Medikamentenherstellern. Die anderen, weniger bekannten Segmente des Marktes bilden den Schwerpunkt des Nova Steady HealthCare: Medizintechnik, Diagnostik, Tiermedizin oder Krankenhaus-und Pflegeheimbetreiber. Der im April 2015 aufgelegte Fonds ist damit ein Unikat, Biotech- Aktien sind ausgeschlossen, Pharma spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die rund 30 Titel im Portfolio sind Firmen mit stetigem, nachhaltigem Wachstum, deren Aktienkurse auch weniger schwankungsanfällig sein sollten als der Sektor insgesamt. Im Depot liegen zum Beispiel der italienische Hörgerätehändler Amplifon oder der deutsche Augenheilkunde-Spezialist Carl Zeiss Meditec. Fondsmanager Andreas Bischof hat bei der Allianz jahrelang eines der größten Portfolios im Gesundheitsbereich verwaltet, bevor er 2013 mit Oliver Kämmerer die Gesellschaft nova fund management gründete.

Einschätzung: KAUFEN
Risiko: Mittel
WKN: A1145J
Kurs am 19.01.16: 90,42 €
Ertragsverwendung: Ausschüttend
Gebühren: 2,1 %
Volumen: 24 Mio. €.

Autor: JGR

Download: PDF

Digitalisierung ist kreative Zerstörung

digitalisierung_1

Leitzinserhöhung in den USA, schwacher Euro, ETF-Konkurrenz und Fintech – sechs Experten diskutierten mit DAS INVESTMENT über die aktuellen Trends in der Branche

DAS INVESTMENT: Die US-Notenbank hat den Leitzins erhöht. Wie geht’s jetzt weiter mit dem Zins und den Märkten?
Jörg Scholl: Wir rechnen in der Folgezeit mit geringfügigen Leitzinserhöhungen, mehr oder weniger aus optischen Gründen. Das hat die Fed auch so angekündigt. Und wir haben schon vor der Zinsanhebung nicht an stark negative Zinsen geglaubt. Wenn in Deutschland 60 Prozent der Staatsanleihen im Negativzinsbereich sind, mag das der eine oder andere für eine etwas freche Behauptung halten – aber wir konnten und können uns nicht vorstellen, dass hier insbesondere die deutschen Renditen noch weiter in den negativen Bereich fallen werden. Man muss zudem gewisse Verwerfungen im Öl- und Rohstoffumfeld mit einkalkulieren, die momentan die Inflation künstlich niedrig halten.
Carl Otto Schill: Ich bin ein Anhänger der Theorie der Great Rotation. 50 Jahre war die Anleiherendite höher als die Dividendenrendite. Das hat sich seit zwei, drei Jahren gedreht, auf längere Sicht werden die Zinsen niedrig bleiben. Klar ist, dass eine ganze Reihe von anleihebasierten Geschäftsmodellen, etwa Versicherungen, damit zunehmend Probleme bekommen.
Marc Profitlich: Eigentlich ist ja weniger die Frage, wo die Zinsen hingehen, sondern eher, wie wir mit der Zinssensitivität umgehen – denn diese kann schnell mal ein Stück der Rendite kaputtmachen. Darum ziehen wir bei ProfitlichSchmidlin die Rendite aus Sondersituationen und versuchen, die Zinssensitivität im Portfolio so gering wie möglich zu halten. Selbst im Sub-Investmentgrade-Bereich muss man ja teilweise in längere Laufzeiten gehen, um überhaupt die laufenden Kosten wieder hereinzuholen. Die geringe Zinssensitivität unseres Portfolios konnte man insbesondere im zweiten Quartal sehr gut erkennen.

digitalisierung_2

Der Aktienmarkt hat sehr von den niedrigen Zinsen profitiert. Mancher meint, dass er bereits vorm Kippen stehen könnte. Hören Sie bereits wieder die ersten Aktientipps von Taxifahrern?
Hendrik Leber: Nein, das dauert noch drei Jahre. Aber Scherz beiseite: Wir merken schon, dass das Aktieninteresse wiederkommt. Interessant sind die Mini-Indikatoren, also die anekdotischen. Manchmal denke ich, wir sind wieder im Jahr 1999: Es mehren sich die Start-ups, die Digital-Initiativen, die Internet-Geschichten. Ähnlich sieht es bei den Mergers and Acquisitions aus, die ein klassischer Frühindikator sind. Nehmen Sie etwa die Pfizer-Allergan Übernahme. Aber einen exzessiven Punkt haben wir hier noch lange nicht erreicht.
Oliver Kämmerer: Mit der Leitzinserhöhung in den USA haben wir die Nullprozentzinspolitik verlassen. Das heißt, Anleger können sich auf jeden Fall auf unruhigere Zeiten einstellen. Was uns zudem beschäftigt, ist die Tatsache des starken US-Dollars: Der Healthcare-Bereich etwa ist stark US-lastig. Wir werden hier einige Rücksetzer sehen. Aber Unternehmen, die als Global Player wirklich breit aufgestellt sind, werden von der Marktkorrektur relativ wenig beeinflusst werden.
Wilhelm Berghorn: Auch wir rechnen mit einer stärkeren Volatilität in den Märkten. Und der CAPE Index von Professor Shiller zeigt: Die Unternehmensbewertungen sind teils so hoch, wie sie 1929 und 2008 waren. Eine Aktie wie Amazon hat gegenwärtig ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 300. Ob dies noch eine faire Bewertung ist, weiß man leider erst in der Rückschau. Deswegen ist unser marktneutraler Ansatz für unsere Investoren so interessant. Dieser verschafft einen gewissen Schutz gegenüber Marktkorrekturen.

Starker Dollar, schwacher Euro: Das ist ganz im Sinne der EZB. Haben Sie eine Prognose, wo der Euro-Kurs hingeht?
Scholl: Nein, eine Prognose wäre hier aus meiner Sicht nicht seriös. Wir sind aus Euro-Sicht schon gegenüber vielen Hauptwährungen unterhalb der Kaufkraftparität angelangt. Denken Sie nur an den Schweizer Franken. Ein schwacher Euro ist sicherlich zunächst schön für die europäische Exportwirtschaft, aber damit werden hier auch die Strukturprobleme ein wenig zugedeckt. Auch hier wieder die Schweiz: Trotz stetiger Aufwertung hat die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz gemäß OECD gegenüber den meisten anderen Industriestaaten deutlich zugenommen.
Leber: Grob gesprochen, wirken zwei Kräfte auf den Euro. Die eine ist, dass die europäische Wirtschaft relativ ordentlich dasteht: Die Firmen, die wir uns in Europa anschauen, sind gut aufgestellt. Und gegen den Euro spricht die europäische Politik, die wirklich gnadenlos selbstzerstörerisch ist. Das hält sich die Waage. Es ist schwer zu sagen, was am Ende dabei herauskommt.
Kämmerer: Europa sieht gegenwärtig fast stabiler als die USA aus, die jetzt doch eher eine abflauende Wachstumsdynamik haben. Ich glaube schon, dass die Europäische Zentralbank da einen wesentlichen Punkt hinzutut. Aber, wie schon gesagt wurde: Das tut natürlich allen weh, die einen Return auf Rentenbasis erzielen müssen.
Berghorn: Ich halte das alles für richtig, es gibt aber einen Aspekt zu den USA, den ich betonen möchte. Wir haben es mit einer Transformation zu tun: das ist die Digitalisierung und die Vernetzung, also die Industrie 4.0. Die wird unseres Erachtens nur in den USA vorangetrieben. Dagegen ist Europa eher unterentwickelt.
Schill: Das sehe ich ein bisschen differenzierter. Die großen Netzwerke sind sicherlich nicht mehr einholbar, nicht zuletzt aufgrund marginaler Grenzkosten. Ein zusätzlicher Kunde kostet Google heute kaum einen zusätzlichen Dollar. Aber bei den Industriestandards tut sich sehr viel in Europa. Und die Transformation von der Industrie hin zur Digitalisierung findet heute in allen Stufen der Wertschöpfungskette statt, also bei Beschaffung, Produktion, Absatz – da finden Sie auch schon sehr viele sehr gute Beispiele in Europa.
Leber: Ich habe neulich Prospekte von der Firma Elgato aus München in der Hand gehabt. Deren Geschäftsbereich ist vernetzte Haustechnik – etwas, was zum Beispiel Nest in den USA auch macht. Elgato hat tolle Produkte, aber sie haben keine Chance, weil die Amerikaner in einem Riesenmaßstab skalieren, und die Deutschen konzentrieren sich nur auf den hiesigen Markt. Der Mut und die Fähigkeit zur Skalierung fehlt in Europa komplett.

digitalisierung_3

Schwenken wir um auf das Thema Risikomanagement: Mit welcher Strategie bekommen Sie Risiken gut in den Griff?
Scholl: Die ganzen mathematischen Parameter sind ein Muss! Zusätzlich setzen wir Fondspreis-Untergrenzen. Anschließend erfolgt dann eine strategische Asset Allocation. Dabei möchte ich im gegenwärtigen Marktumfeld eine Lanze für Wandelanleihen brechen: Dort haben Sie sozusagen eine eingebaute Risikoabsicherung.
Schill: Wir kommen aus dem Value-Bereich, für uns ist wichtig, dass wir uns wirklich exzellente Geschäftsmodelle ins Portfolio holen, die moderat bewertet sind. Wenn wir beim Aktienkurs eine Sicherheitsmarge von mindestens 30 Prozent haben, können wir investieren. Uns stört dabei die Volatilität weniger, sie ist für uns ja eher eine Chance als ein Risiko.

Die beste Value-Phase haben wir aber gerade nicht, oder?
Leber: Das stimmt. Die großen Themen im Markt haben immer etwa fünf bis zehn Jahre Lebenszeit. Momentan sind das Low-Risk- und Dividendenstrategiethemen, auch Balanced-Fonds. Value lief bis 2007, seitdem ist die Strategie auf dem absteigenden Ast. Gerade die letzten 18 Monate waren grauenvoll. Wir schauen ja fast jeden Tag die Faktorrenditen an – da war und ist momentan alles negativ. Früher oder später muss sich dies aber wieder ändern. Es kann gar nicht anders sein, denn das ist eine logische Form des Investierens: Das eine ist herdengetrieben, das andere fundamental begründet. Nur kostet die momentane Situation eine Menge Nerven.
Profitlich: Wir haben uns in den vergangenen Monaten viele Gedanken um das Thema Kasse gemacht. Wenn sich die Liquidität an den Anleihemärkten verschlechtert und die Volatilität an den Aktienmärkten erhöht, dann ist die Kasse wertvoller, denn diese gibt uns Handlungsfähigkeit. Und ob mir die Kasse 5 Basispunkte plus wie im letzten Jahr oder eher eine leicht negative Verzinsung bringt: das bewegt doch nicht die Nadel. Denn die Liquiditätssituation wird sich im Anleihenbereich nicht verbessern: Daher lohnt es sich, Flexibilität zu haben. Das Problem, das jetzt viele Anleihefonds haben, ist ja bekannt: entweder Zinssensitivität oder Nullrendite.
Berghorn: Diversifikation wird ja immer als oberste Disziplin zur Risikovermeidung gesehen. Das große Problem mathematischer Natur ist aber: Die Diversifikation ist nie da, wenn man sie braucht. In dem Moment, wenn Sie den Krisenfall haben, korreliert oftmals alles plötzlich – nehmen Sie allein 2015, da sind phasenweise der Dax und der RexP parallel gefallen, bei Rohstoffen sah es genauso aus. Die ganze Markowitz-Portfolio-Optimierung ist dann auch nur noch Makulatur.
Scholl: Für die allermeisten klassischen Vermögensverwalter und damit auch uns ist es eine Illusion zu glauben, über Markt- Timing nachhaltig gut performen zu wollen. Heutzutage gibt es am Markt ganz andere Player. Über Algo-Trading führen diese innerhalb kürzester Zeiträume im Millisekundenbereich Trades aus und haben damit einen ganz anderen Ansatz als wir. Warum sollte ich da versuchen, unbedingt mitzuhalten?
Kämmerer: Da pflichte ich bei. Wobei ein effizientes Risikomanagement über breite Streuung übrigens auch bei Branchenfonds möglich ist. Nehmen Sie unseren Gesundheitsfonds: Es gibt zehn Subindustrien und weit über 3.000 Healthcare-Unternehmen innerhalb des Sektors. Darunter Healthcare Technology, spezialisierte Software-Unternehmen, Managed Care oder Facilities wie Krankenhäuser. Jede Subindustrie hat ein eigenes hohes bis niedriges Risikoprofil, somit kann ein breites Spektrum hinsichtlich Volatilität in einem Fondskonzept verwirklicht werden, wobei wir Biotechnologie grundsätzlich vermeiden.
Berghorn: Ich bin ein Freund der Diversifikation über gemischte Investitionsstrategien, wobei wir uns natürlich auf den Momentum-Effekt konzentrieren. Dieser – das zeigen unsere Arbeiten – ist im Übrigen stark fundamental getrieben.

Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück, waren im Publikumsfonds-Bereich die Emerging Markets mit ihrer Wachstumsstory ein Top-Thema. Nach der wirtschaftlichen Abkühlung ist es um die Schwellenländer ruhig geworden, die Zinserhöhung in den USA und der damit erwartete Kapitalabfluss tun ihr Übriges. Nutzen Sie weiter direkte Schwellenländer- Investments?
Scholl: Wir müssen uns fragen, ob diese Märkte für uns wirklich durchschaubar sind. Für uns als Solution Asset Management mit der Größe unserer Mannschaft definitiv nicht. Und wenn ich das Emerging-Markets-Exposure haben will, kann ich auch in europäischen oder deutschen Aktienmärkten bleiben. Hier gibt es genug europäische oder deutsche Firmen mit starkem Exposure zu Schwellenländern.
Schill: Wir gehen anders vor und sind schon seit 1997 in Asien direkt investiert. Sicherlich haben auch wir Negativbeispiele erlebt, was Compliance und Corporate Governance angeht. Aber für uns sind Schwellenländer-Investments als Risikodiversifikation und Wachstumsmärkte investierbar – jenseits von Marketing-Konzepten, wie es die Bric-Story war. Auch China kann man nicht pauschal betrachten: Handelt es sich etwa um Staatsunternehmen, um Grundstoffindustrien oder um große Internet-Player wie Baidu oder Alibaba? Das ist ein großer Unterschied.
Leber: Richtig, in den Schwellenländern gibt es eine ganze Reihe von Top-Technologie- Unternehmen. Bei diesen ist die Klassifizierung „Emerging Markets“ ziemlicher Kokolores. Fehlende Transparenz und Governance sind sicherlich das andere Ende der Fahnenstange. Aber wo sich diese Achsen kreuzen, habe ich keine Angst mehr vor Emerging Markets.

Aktuell läuft ja die öffentliche Debatte, ob aktiv gemanagte Fonds nicht besser durch ETFs zu ersetzen seien. Dabei spielen nicht zuletzt niedrigere Kosten eine tragende Rolle – und die Tatsache, dass nur wenige Fondmanager ihren Markt schlagen. Ist die Kritik stichhaltig?
Berghorn: Nur sehr bedingt. Wenn ich als Anleger keine Kenntnisse mitbringe und nach dem Zufallsprinzip Fonds auswähle, werde ich in 75 bis 85 Prozent der Fälle schlechter als der Markt liegen. Wenn ich also nichts weiter weiß, kann ich auch gleich den Markt kaufen – und dann stehen bei der Auswahl allein die Kosten im Vordergrund. Kann ich allerdings einen aktiv gemanagten Fonds mit zukünftiger Outperformance nach Kosten identifizieren, dann steht diese Outperformance im Vordergrund – und nicht die Kosten.
Profitlich: Wir sehen immer wieder ETFs, die bei einem Kursrutsch sehr deutlich unter dem Index liegen, dem sie folgen. Hier sind vermutlich technische Umsetzungsprobleme der Hintergrund. Das trifft ganz besonders auf Risk-Parity-Modelle oder auch auf ETFs zu, die einzelnen Sektoren folgen. Dort gab es vor Kurzem irrsinnige Diskrepanzen. Und das Thema Liquidität kann für die ETFs, die immer größer werden, ein richtiges Problem werden. Das sind die Grenzen des Markts, die man hier erkennen kann.
Kämmerer: In diesem Zusammenhang wird das Thema Active Share immer wichtiger. Natürlich gibt es eine ganze Reihe von aktiv gemanagten Fonds, die nur ihren Markt kopieren. Aber es gibt auch andere Fonds mit einer Management Fee von 1,5 Prozent, die bis zu 80 bis 100 Prozent vom Index abweichen und auf diese Weise eine Outperformance von 2 Prozent nach Kosten erwirtschaften. Die haben gute Argumente auf ihrer Seite.
Leber: Doch wir müssen auch feststellen, dass die ETFs gut performt haben. Sie bilden ja sozusagen die kompakte Weisheit des Markts ab, die sich in Preisen widerspiegelt. Allerdings gilt auch hier der Herdentrieb: Es fließt immer mehr Geld bestimmten Indizes zu, das treibt die Preise immer höher. Und dann müssten wir in meiner Logik betrachtet irgendwann zu einem Endpunkt kommen, an dem die ETFs so dominant geworden sind, dass ich wieder das freie Spielfeld für die aktiven Fondsmanager habe.
Profitlich: Die Kosten sind natürlich auch angesichts der erwarteten Rentabilität, die ein Investor jetzt noch haben kann, ein großes Problem für den Vertrieb. Wenn Sie bei Rentenfonds einen Ausgabeaufschlag erheben, muss der Kunde wahrscheinlich einige Jahre warten, bis er theoretisch einen Ertrag sehen kann.
Schill: Wir konzentrieren uns schwerpunktmäßig auf den Small- und Mid-Cap-Bereich. Dafür gibt es keine ETFs, weil die nötige Liquidität in diesen Märkten fehlt. Und dort finden Sie auch deswegen noch günstigere Werte als bei den großen Werten, die eben stark von der Nachfrage getrieben werden. Sollten wir jemals so weit kommen, werden wir unseren Fonds bei 100 bis 150 Millionen Euro schließen. Oberhalb davon funktioniert unsere Strategie nicht mehr.

Kommen wir zum Thema Digitalisierung, das die Branche umtreibt. Macht Ihnen das Thema Fintech Angst?
Scholl: Nein, keinesfalls. Unsere Kunden sind überwiegend kleinere institutionelle Kunden; dort ist immer schon aufgrund von Regularien und spezifischen Anlagevorgaben ein großer Bedarf an individuellen „Solutions“. Automatisierung, um Mengengeschäft effizient abzubilden, steht nicht im Vordergrund. Wir würden also auch nie auf die Idee kommen, große Teile des Portfolios mit ETFs passiv abzubilden. Da gäbe es einen Riesenprotest, warum wir 30 Basispunkte ETF-Kosten aufrufen und nicht deutlich billigere Futures einsetzen. Das Thema Fintech ist im Privatkundensegment sicher ein großes Thema, das im Moment aber auch stark gehypt wird. Denn Vieles ist für die Fintechs zum Beispiel noch gar nicht aufsichtsrechtlich geregelt.
Kämmerer: Fintech ist doch in erster Linie ein Vertriebstool, oder sehen Sie dies anders? Und in diesem Zusammenhang müssen wir uns schon die Frage stellen, ob wir auf der richtigen Plattform und beim richtigen Anbieter gelistet sind, um nicht ins Leere zu laufen. Ich denke, es wird mittelfristig ein großes Thema sein, später sozusagen beim Amazon der Finanzwelt richtig platziert zu sein.
Leber: Fintech wird sich im Front-end-Bereich massiv durchsetzen. Der Mensch hat mehr Vertrauen zu Maschinen, denn Menschen machen immer Fehler. Bei der Deutschen Bahn hole ich mir auch lieber die Fahrkarte aus dem Gerät, weil ich weiß, dass dies im Zweifel richtiger rechnet als der Schalterbeamte. Denn gerade bei komplizierten Zusammenhängen irren Maschinen weniger als der Mensch. Das ist in der Medizin so, das wird im Finanzbereich so sein. Und ich glaube, dass sowohl der Finanzberater als auch wir Analysten unsere Qualitäten überschätzen. Eine gute Maschine kann uns locker ersetzen, wie auch gute Maschinen beim Autofahren uns sehr gut ersetzen können. Dem müssen wir ins Auge sehen: Wir haben darum den Prototypen einer Maschine entwickelt, mit dem wir demnächst die ersten Investments vornehmen werden.
Profitlich: Können wir eigentlich Fondsmanager sein, ohne zu glauben, dass wir besser sind als der Markt? Wenn ich als aktiver Fondsmanager nicht dieser Meinung bin, hätte ich definitiv den falschen Beruf gewählt. Aber ich denke auch, dass die Regulierung mit den technischen Möglichkeiten in unserer Branche nicht Schritt hält. Wir schreiben einen Blog auf unserer Website: Ich glaube, wir sind die Einzigen in Deutschland, die dies tun. Aber das ist auch ein aufsichtsrechtliches Problem. Der Regulator hat noch keine Klarheit geschaffen, ob und was der Fondsmanager twittern darf. Wir schreiben daher nur über hoch kapitalisierte Werte oder bereits abgeschlossene Investitionen.
Berghorn: Ich denke auch, dass sich automatische Advisory-Portale durchsetzen werden. Ich finde dabei übrigens den Begriff Robo-Advisor sehr eigenartig: Im Wesentlichen vollzieht sich hier doch das, was wir bei Reiseportalen sehen, die das Reisebüro fast verdrängt haben. Dort spricht doch auch keiner von Robo-Reiseplanern. Die Fintech-Unternehmen stehen noch ganz am Anfang, aber sie werden sich stark entwickeln. Dieser Prozess ist schön beschrieben in der Theorie der disruptiven Innovation von Clayton Christensen. Wenn Sie so wollen, vollzieht sich in der Bankenbranche diese Theorie gerade lehrbuchhaft.
Scholl: Als Entscheidungsunterstützung können meines Erachtens rechnergestützte Analysen gut dienen. Das quantitative Screening betreiben wir alle ja schon viele Jahre. Wenn man aber nur noch ein rechnergestütztes Scoring hat und zum Beispiel die Datenqualität nicht hinterfragt, bleibt offen, ob man diesem Ergebnis wirklich vertrauen kann. Bei der Unternehmensauswahl im Aktienbereich ist es sehr wichtig, dass man auch qualitative Aspekte berücksichtigt – die kann man natürlich auch versuchen zu quantifizieren, dem sind aber aktuell meiner Meinung nach noch Grenzen gesetzt.

Es wird also interessant zu beobachten sein, wie das neue automatische Acatis-Modell funktioniert.
Leber: Ganz bestimmt. Ich kann heute nur eins sagen: Man kann nicht sehen, was das Modell macht. Das ist auch ein bisschen unheimlich.|

Das Roundtable-Gespräch moderierte Markus Deselaers

Download: PDF

Gesundheitssektor der Wachstumsmarkt der Zukunft

iStock_64960641_XLARGE

Frankfurt / München, 19. Januar 2016 – Der Gesundheitssektor zählt nach wie vor zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der Zukunft, nicht zuletzt auch durch den demographischen Wandel, medizinische Innovationen, den Aufbau der Gesundheitssysteme in Schwellenländern und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten.

  • Laut OECD vervierfacht sich das Volumen des Gesundheitsmarktes bis 2060
  • nova Steady Healthcare erzielt überdurchschnittliche Rendite bei niedriger Volatilität
  • Portfolio konzentriert sich auf Titel abseits der typischen Pharma- und Biotechwerte

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einer Verdopplung des Volumens des Gesundheitsmarkts in den OECD-Ländern im Zeitraum von 2010 bis 2035, bis 2060 soll er sich sogar vervierfachen. Laut der OECD-Studie soll der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von rund 6,2 Prozent im Jahr 2010 auf zirka 9,5 Prozent im Jahr 2060 steigen. „Aber nicht ausschließlich Medikamente tragen positiv zur Entwicklung am Gesundheitssektor bei, sondern auch etwa Hörgeräte, Brillengläser und Lebensmitteltests“, erläutert Dr. Andreas Bischof, Geschäftsführer der nova fund management GmbH (nova) und Fondspartner des 2015 mit Universal-Investment aufgelegten Fonds nova Steady HealthCare (ISIN DE000A1145J0). Die Vielfalt an Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen ermögliche das langanhaltende und überdurchschnittliche Wachstum des Gesundheitssektors.

„Der Gesundheitssektor besteht nicht nur aus Medikamentenentwicklern aus den Segmenten Pharma und Biotechnologie, sondern aus acht weiteren Subindustrien, die auch von den genannten Faktoren profitieren“, so Bischof weiter. Zu diesen Subindustrien zählen etwa Betreiber von Krankenhäusern und Altenheimen, Medizintechnikunternehmen, pharmazeutische Großhändler oder Hersteller von medizinischen Hilfsgütern. Alle diese Subindustrien profitieren vom langfristigen, stetigen Wachstum des Sektors.

Gesundheitssektor schlägt den Gesamtmarkt im vergangenen Jahr
Basierend auf dieser Wachstumsdynamik hat der Gesundheitssektor an der Börse auch im Jahr 2015 den Gesamtmarkt geschlagen: Während der breite Marktindex MSCI World im Jahr 2015 rund acht Prozent hinzugewonnen hat, konnte der Gesundheitsindex MSCI World Health Care deutlich stärker um etwa 17 Prozent zulegen. Ein genauerer Blick zeigt, dass es innerhalb des Gesundheitssektors im Jahr 2015 tendenziell eher nicht Biotech- und Pharmaunternehmen waren, die sich überproportional gut entwickelten, sondern eher Gesundheitsdienstleister und Betreiber von Gesundheitseinrichtungen, als auch Zulieferer der biomedizinischen Forschung.

Der risikoaverse Aktienfonds nova Steady HealthCare konzentriert sich auf diejenigen Segmente des Gesundheitssektors, die von typischen Healthcare-Fonds tendenziell vernachlässigt werden, aber trotzdem intensiv vom Wachstumstrend des Gesundheitssektors profitieren. Der Healthcare-Fonds besteht deshalb aus einem konzentrierten Portfolio von rund 20 bis 30 Qualitätstiteln, die das Fondsmanagement nach genauer Prüfung auswählt.

Diese Investmentstrategie hat sich seit Auflage im April 2015 bewährt: Der nova Steady HealthCare schlug seinen Vergleichsindex, den MSCI World Health Care, bei einer reduzierten Volatilität: So lag die Rendite des Fonds um rund ein Prozent über der des Vergleichsindex, während seine Volatilität erfreulicherweise rund vier Prozent geringer ausfiel. Dabei waren rund ein Viertel des Fondvolumens in die Subindustrie Health Care Equipment (Medizintechnik) und ein weiteres Viertel in die Subindustrie Life Science Tools & Services (Zulieferer der biomedizinischen Forschung) investiert, während keine einzige Biotech-Aktie im Portfolio gehalten wurde.

nova-Geschäftsführer und -Gründer Dr. Bischof zeigt sich erfreut über die Ergebnisse des ersten Geschäftsjahres, das am 31. Dezember 2015 endete: „Ich freue mich, dass ich einem breiten Anlegerkreis nun erstmalig erfolgreich eine bislang unzugängliche Investmentstrategie zugänglich machen konnte. Die Ergebnisse der ersten neun Monate sprechen für sich selbst. Gesundheit schlägt den Gesamtmarkt.“ nova-Geschäftsführer Oliver Kämmerer ergänzt: “Eine überdurchschnittliche Rendite bei unterdurchschnittlicher Volatilität zu erreichen ist unser Ziel. Das haben wir 2015 vollumfänglich erzielt. Damit sind wir sehr zufrieden“. Mit Bischof und Kämmerer stehen zwei anerkannte Experten mit jeweils mehr als 17 Jahren Investmenterfahrung im Bereich Healthcare-Aktien hinter der Anlagestrategie des nova Steady HealthCare.


ÜBER NOVA FUND MANAGEMENT
Die nova fund management GmbH mit Sitz in München ist eine bankenunabhängige Fondsinitiatorin und -beratung mit exklusivem Fokus auf den globalen Healthcare-Sektor. nova fund management konzipiert, initiiert und berät neuartige, originelle und mehrwertgenerierende Finanzprodukte. Das Akronym „nova“ (new original value-added) reflektiert diese Ambition. Dr. Andreas Bischof und Oliver Kämmerer, zwei Spezialisten mit jeweils mehr als 17 Jahren komplementärer Erfahrung mit Healthcare-Aktien auf der Buy- und Sell-Side, führen das Unternehmen. Der Molekularbiologe Dr. Bischof, zuletzt bei Allianz Global Investors tätig als Investment Manager für eines der weltgrößten Aktienportfolios im Gesundheitsbereich, erzielte dort mit einer risikoaversen Investmentstrategie über Jahre hinweg sehr attraktive Überrenditen. Diese erzielte er nicht nur gegenüber dem europäischen Sektorindex MSCI Europe Health Care, sondern zeitgleich auch gegenüber dem europäischen Gesamtmarktindex MSCI Europe. Der Ökonom Kämmerer leitete zuletzt die europäische Aktienanalyse und die Sektoranalyse Healthcare bei der West LB. In diesen Funktionen war er unter anderem auch für die Alpha-Generierung der Aktienempfehlungen verantwortlich.
Weitere Informationen unter www.novafunds.biz

ÜBER UNIVERSAL-INVESTMENT
Universal-Investment ist mit einem verwalteten Vermögen von rund 260 Milliarden Euro, davon über 220 Milliarden Euro in eigenen Vehikeln, weit über 1.000 Publikums- und Spezialfondsmandaten und rund 600 Mitarbeitern die größte unabhängige Investmentgesellschaft im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen konzentriert sich mit den drei Leistungsbereichen Administration, Insourcing und Risk Management auf die effiziente und risikoorientierte Verwaltung von Fonds, Wertpapieren, alternativen Investments und Immobilien. Die Investmentgesellschaft ist die zentrale Plattform für unabhängiges Asset Management und vereint das Investment-Know-how von Vermögensverwaltern, Privatbanken, Asset Managern und Investmentboutiquen. Als Tochter renommierter Bankhäuser gehört die 1968 gegründete Universal-Investment-Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main sowie Töchtern und Beteiligungen in Luxemburg und Österreich zu den Pionieren in der Investmentbranche und ist heute Marktführerin in den Bereichen Master-KVG und Private-Label-Fonds (Stand: 31. Dezember 2015).
Weitere Informationen unter www.universal-investment.com

Ihre Ansprechpartner für Presseanfragen
Universal-Investment-Gesellschaft mbH
Bernd Obergfell
Pressesprecher
+49 69 71043-575
bernd.obergfell@universal-investment.com

nova fund management GmbH
Dr. Andreas Bischof & Oliver Kämmerer
Geschäftsführer
+49 89 228435910
info@novafunds.biz

Download: PDF

Gesundheitsprodukte sind unverzichtbar

unverzichtbar_1

Healthcare » Kein anderes Börsensegment entwickelte sich zuletzt so erfolgreich wie der Gesundheitsmarkt. Drei Experten diskutieren über die Herausforderungen und verraten, wo die größten Chancen liegen

von Julia Gross

Etwas Smalltalk in der Lobby — in San Francisco konnte das vergangene Woche sehr schnell sehr teuer werden. Im Hotel Nikko wurden für die Lounge-Sessel 35 Dollar pro Person und Stunde verlangt. Das Marriot kassierte für Tische im Foyer 80 Dollar pro Stunde.

Bezahlen sollten die Gäste der JP-Morgan-Healthcare-Konferenz, eines gigantischen Schaulaufens der Gesundheitsbranche, das Vorstandschefs und Investmentbanker aus der ganzen Welt nach Kalifornien lockt. Dass die es sich leisten können, denken Hotelmanager nicht ganz zu Unrecht: An der Börse hat sich in den vergangenen Jahren kein anderer Sektor so fulminant entwickelt wie Biotech, Pharma und Co. Der Nasdaq Biotechnology Index erzielte seit 2011 mehr als die dreifache Rendite des S& P500. Selbst der breiter gestreute MSCI World Healthcare lag immer noch 50 Prozent über dem Index der 500 größten amerikanischen Unternehmen.

Ein Grund dafür ist der Siegeszug der Biotechnologie. Die Anwendung von Erkenntnissen aus der Genomforschung, das Verständnis für grundlegende Mechanismen vieler Krankheiten hat einen beispiellosen Innovationsschub gebracht. Aids, Hepatitis C oder manche Krebsarten sind behandel- oder sogar heilbar geworden. Dazu kommen grundlegende globale Trends wie die demografische Entwicklung, die wachsende Mittelschicht, aber auch Umweltverschmutzung und die Verbreitung ungesunder Ernährungsgewohnheiten, die den Gesundheitsmarkt anschieben.

Seit vergangenem Herbst mussten erfolgsverwöhnte Gesundheits-Investoren allerdings einige Rückschläge hinnehmen. Biotechaktien haben allein seit Jahresbeginn fast 15 Prozent verloren. Ein Grund dafür ist die vor allem durch den US-Wahlkampf befeuerte Diskussion über die Kostenexplosion im Gesundheitswesen.

Warum Anlegern dieses Thema aber nur begrenzt Sorgen bereiten sollte und wie sie daran sogar verdienen können, darüber hat €uro am Sonntag mit drei erfahrenen Branchenexperten gesprochen: Harald Schwarz zählt zum Managementteam des FCP OP Medical BioHealth Trends Fund, eines der erfolgreichsten deutschen Gesundheitsfonds. Andreas Bischof ist 2015 mit seinem nova Steady HealthCare gestartet, der sich auf die Unternehmen der Branche fokussiert, die keine Medikamente entwickeln. Karl Nägler schließlich investiert für die belgische Risikokapitalgesellschaft Gimv in junge, noch nicht börsennotierte Firmen aus dem Bereich Medizin und Pflege.

unverzichtbar_3

Die Gesundheitsbranche gehörte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Sektoren an der Börse. Trotzdem trauen sich viele Privatanleger nicht an das Thema heran. Woran könnte das liegen?
HARALD SCHWARZ: Der aktuelle Zyklus, der etwa 2011 begann, kam vermutlich für viele Anleger überraschend. Wir hatten ja eine Phase von 2001 bis 2010, wo die Pharmaindustrie dramatisch durch Patentabläufe gebeutelt wurde. 2010 war der Pharma- und Biotechsektor dann niedriger bewertet als der S&P500. Das hieß im Grunde, das sei keine Wachstumsindustrie mehr. Deshalb haben Anleger die Titel gemieden und nicht mitbekommen, dass sich die Zulassungsbedingungen der USA dramatisch verbessert haben.

Die Rally begann dann 2011 mit der Übernahme von Pharmasset durch Gilead für elf Milliarden Dollar …
SCHWARZ: … und keiner hat damit gerechnet, dass sich das lohnt, eine derartig hohe Summe auszugeben. Hat es aber. Dann merkten die Leute, dass 2011 über 30 Arzneimittel zugelassen wurden. 2012 wurde in den USA die Breakthrough Designation eingeführt, die eine viel schnellere Zulassung von Medikamenten erlaubt. Da kam es zu erheblichen Kurssteigerungen, sodass Anleger dachten: „Jetzt ist mir der Sektor weggelaufen.“ Die Dynamik wurde von vielen gar nicht erkannt.

Es fällt besonders auf, dass deutsche Investoren nicht dabei waren.
SCHWARZ: In Deutschland beobachten wir generell ein eher risikoaverses Klima, da waren auch institutionelle Anleger nicht in vorderster Front bei der Anlage in Biotech- oder Healthcare-Fonds dabei.

ANDREAS BISCHOF: Was aber schwer nachzuvollziehen ist, denn es gibt meines Wissens kaum einen Sektor, der solche Qualitäten auf sich vereint, wie der Gesundheitssektor. Er wächst laut OECD bis 2060 deutlich stärker als die Volkswirtschaften und ist nicht konjunkturabhängig. Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen sind unverzichtbar. Deshalb wird der Sektor einen wachsenden Anteil an der Volkswirtschaft haben. Insofern ist es ein Fehler, da nicht vertreten zu sein. Sowohl für Privatanleger als auch für Institutionelle. Ob man sich dann das Risikoprofil von Biotech antun will, muss jeder selbst entscheiden, aber der Gesundheitsmarkt an sich ist ein großartiger, nachhaltig wachsender Markt.

KARL NÄGLER: Ich würde die These aufstellen, dass Biotech kein Sektor für Privatanleger ist. Da braucht es ein gewisses Know-how und Diversifizierung.

BISCHOF: Es ist auch meine Sicht, dass sich Privatanleger nicht im Biotechsektor engagieren sollten, es sei denn über Fonds. Oder sie überlegen sich, ob es im Healthcare-Sektor nicht noch etwas anderes gibt als Pharma und Biotechnologie. 1600 börsennotierte Unternehmen sind in anderen Bereichen des Sektors aktiv. Die besitzen möglicherweise ein attraktiveres Rendite-Risiko-Profil als Biotech, wo man natürlich sensationelle Renditen einfahren kann. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man viel Geld verliert, ist leider viel größer.

Viele Anleger verstehen diese Unterteilungen nicht. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Biotech und Pharma?
SCHWARZ: Das verschmilzt immer mehr. Der Unterschied ist heute: Biotechunternehmen haben kaum Konkurrenz durch Nachahmerprodukte, sogenannte Biosimilars. Deswegen bringt jedes neue Produkt bei Biotech mehr Gewinn, während Pharma die durch Patentabläufe entstehenden Löcher kompensieren muss.

BISCHOF: Das ist für mich kein struktureller Vorteil. Biotechpatente laufen ja ebenfalls ab. Nur die Branche ist noch jünger und die Produkte haben deshalb jetzt noch keine Konkurrenz. Die Umsätze der Biotechindustrie werden irgendwann genauso erodieren. NÄGLER: Wobei es Produktklassen gibt, wo das weniger wahrscheinlich ist. Zum Beispiel onkolytische Viren, bispezifische Antikörper, T-Zell-Engager — hier ein Biosimilar herzustellen, ist schon extrem anspruchsvoll.

BISCHOF: Wie viele dieser Produkte sind schon auf dem Markt?

NÄGLER: Ein bispezifischer Antikörper von Amgen hat zum Beispiel Ende 2014 die Zulassung bekommen. Ob es jetzt Dutzende solcher Arzneimittel geben wird, weiß ich nicht. Aber das sind komplexe Produkte, und wir sehen ja jetzt schon, wie lange es dauert, bis Biosimilars auf den Markt kommen. Und sie haben nicht denselben Effekt auf den Preis wie Generika bei den traditionellen Pillen.

Können Sie das näher erklären?
NÄGLER: Früher war es so, dass am Tag des Patentablaufs 20 Nachahmerprodukte auf den Markt kamen und der Preis unmittelbar um 80 bis 90 Prozent sank. Die Biosimilar-Entwicklung können sich jedoch nur wenige Firmen leisten. Deshalb kommen da nur zwei oder drei auf den Markt und der Preis sinkt vielleicht um 25 Prozent.

SCHWARZ: Entscheidend ist, dass biotechnologische Forschung einen riesigen Innovationsschub gebracht hat. Die sinkenden Kosten für Genomsequenzierungen haben es ermöglicht, neue Zielstrukturen für Medikamente zu identifizieren, die wirklich die Ursachen von Erkrankungen beeinflussen.

NÄGLER: Man braucht sich ja nur die aktuellen Entwicklungen in der Immun-Onkologie anzuschauen. Vergangenes Jahr wurde ein wissenschaftlicher Fallbericht veröffentlicht, wo es um eine Patientin mit einer faustgroßen Melanom-Metastase unter der Brust geht. Sie wurde mit zwei der neuartigen Medikamente von Bristol-Myers-Squibb behandelt, und nach drei Wochen war der Tumor weg. Da war ein Loch. Der Arzt beschreibt, wie man jetzt vor der ungewohnten Frage steht, was man mit diesem Loch macht. Die Prognose der Frau lag vorher bei wenigen Monaten, jetzt wird sie wahrscheinlich überleben. So wird es heute voraussichtlich einem Viertel der Patienten mit dieser Indikation gehen. Und das ist erst der Anfang. Der Bereich Immun-Onkologie könnte der Industrie über 50 Milliarden zusätzlichen Umsatz bringen.

BISCHOF: Ich muss jetzt aber noch mal einwerfen, dass es im Sektor 1600 Unternehmen gibt, die keine Medikamente entwickeln. Die etwa Brillengläser machen. Der Markt wächst jährlich um vier bis fünf Prozent, da kann man auch investieren, das ist sehr risikoavers. Es gibt Hersteller von Hörgeräten, Zahnimplantaten, Botoxspritzen, es gibt Tiermedizin, Krankenhausbetreiber, Dialysezentren. Man konzentriert sich immer auf die Medikamentenentwickler. Das ist ja auch richtig, ich bin ja selbst als Molekularbiologe fasziniert davon. Es gibt aber Investmentalternativen innerhalb des Gesundheitssektors. Das Ausfallrisiko für Investoren ist im Biotechsektor deutlich höher als in den anderen Sektoren.

Auffällig ist, dass auch Gimv in letzter Zeit nicht mehr in Medikamentenentwickler investiert hat. Warum nicht?
NÄGLER: Wir waren die vergangenen Jahre damit beschäftigt, den Großteil unseres Biopharma- Portfolios zu verkaufen, weil das Umfeld gut ist und Bewertungen hoch. Gleichzeitig sind wir Engagements in anderen Bereichen eingegangen, etwa in ambulante Spezialkliniken und Medizintechnik, wo es vielleicht attraktivere Bewertungen gibt. Nehmen wir nochmals das Beispiel Immun-Onkologie. Das wird in den kommenden Jahren einen riesigen Einfluss haben, und die Bewertungen sind entsprechend hoch. Da ist jetzt vielleicht gerade nicht der beste Augenblick, um bei Start-ups einzusteigen.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Bewertungen im Sektor?
SCHWARZ: Im Nasdaq-Biotech-Index gibt es 190 Firmen. 18 davon werden nächstes Jahr profitabel sein. Das KGV dieser 18 Firmen beträgt 19, die Wachstumserwartungen liegen bei 21 Prozent. Die profitablen Firmen des Index sind also mit einem Verhältnis von KGV zum Wachstum von 0,8 bewertet, das haben wir jahrzehntelang nicht gesehen. Von daher kann man ganz offiziell sagen: Der Biotechsektor ist günstig bewertet.

Wir hatten aber auch gerade eine heftige Korrektur. Hätten Sie im vergangenen Sommer gesagt, raus aus Biotech?
SCHWARZ: Nein, hätte ich nicht gesagt. Das ist ein Sektor, in dem man langfristig investiert und Rückschläge zum Nachkaufen oder Einsteigen nutzt.

Die Kursverluste wurden auch durch Hillary Clintons Bemerkungen über die Deckelung von Medikamentenpreisen ausgelöst. Rechnen Sie mit entsprechenden Gesetzen in den USA?
BISCHOF: Ich glaube nicht, dass da in den nächsten zwei, drei Jahren etwas kommt. Preise zu regulieren ist sehr unamerikanisch. Die Republikaner machen es vermutlich auf keinen Fall, den Demokraten würde es sehr schwerfallen, so etwas umzusetzen.

NÄGLER: … zumal der Kongress ja erst mal republikanisch bleibt. Aber langfristig kann man nicht für jeden Krebspatienten mehrere Hunderttausend Dollar auf den Tisch legen. Da wird sich was ändern müssen.

SCHWARZ: Grundsätzlich ist das Kostenthema nicht zu lösen, weil Gesundheit unser höchstes Gut ist. Ein Arzt ist verpflichtet, bei seinen Patienten neue heilende und lebensrettende Produkte einzusetzen, auch wenn sie teurer sind. Wichtig ist jedoch, den Missbrauch des Systems zu reduzieren. Wie jetzt in den USA bei Valeant: Da wurden legale Mechanismen grenzwertig ausgereizt, um sich die Erstattung überteuerter Produkte ohne Zusatznutzen zu erschleichen.

BISCHOF: Die Gesundheitskosten betragen in den USA circa 18 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Das zeigt, dass das System sehr ineffizient ist. In Europa liegt der Anteil bei zehn Prozent, die Lebenserwartung ist hier aber ein paar Jahre höher. Das ist so nicht haltbar und sagt mir als Investor, dass ich mich auf die Unternehmen konzentriere, die sparen helfen.

Wie können Anleger denn vom Kostensparen profitieren?
SCHWARZ: Indem sie bei Medikamenten auf Innovation setzen, beim Service auf Kostensparen.

NÄGLER: Interessant ist zum Beispiel alles, was ambulant passiert. Spezialisierte ambulante Kliniken, die auf bestimmte Eingriffe fokussiert sind. Oder Healthcare-IT. Im Medizintechnikbereich schauen wir auf integrierte Lösungen, da geht es nicht nur ums Produkt.

BISCHOF: Es gibt börsennotierte Unternehmen in den USA wie Amedisys, die sich darum kümmern, dass Leute nicht mehr in Krankenhäuser zurückmüssen und zu Hause gepflegt werden. Digitalisierung ist ein ganz wichtiger Trend, Beispiel elektronische Patientenakte. Ich glaube allerdings, dass 2016 schwierig werden könnte wegen des Wahlkampfs in den USA.

Sprechen wir über den deutschen Markt. Der Mittelstand ist weltberühmt, aber im Biotech- und Gesundheitssektor sind wir eher schwach. Warum?
BISCHOF: Es müsste mehr Risikokapital zur Verfügung gestellt werden. Das hat auch mit der Mentalität zu tun. In den USA sagt man „tolle Chance, lass es uns probieren“, trotz des Risikos. In Deutschland sagt man, „lass es lieber bleiben“. Das ist ein langfristiger Wandlungsprozess. Und sehr bedauerlich, denn die Leute sind hier sehr gut ausgebildet, haben Schule, Universität, Promotion durchlaufen, aber wenn es zur Anwendung geht, verlassen sie das Land.

NÄGLER: Man braucht auch etablierte Unternehmen, Leuchttürme, damit es funktioniert. So was haben wir hier kaum, höchstens Morphosys und Evotec. Das hat vielleicht auch mit dem Börsenumfeld zu tun. Es war Pech, dass die Dotcom-Welle gleichzeitig mit den ersten Biotechs kam. Wir haben aber auch nach wie vor kein Segment für deutsche Biotechunternehmen.

Glauben Sie denn, dass so ein Segment helfen würde?
NÄGLER: Das würde absolut helfen. Aber man braucht das ganze Ökosystem: Investoren, Analysten, Spezialisten, Generalisten, das finden Sie halt in den USA und hier nicht. Interessante deutsche Biotechunternehmen werden entweder an Big Pharma verkauft oder gehen an Nasdaq und Euronext.

Warum nicht nach Frankfurt?
BISCHOF: An der Nasdaq sind die Bewertungen höher, da kriegen sie mehr Geld, da ist die Expertise von Analysten und Fondsmanagern.

Hat die Deutsche Börse versagt?
NÄGLER: Das eigentliche Problem ist, dass es in Europa kein vergleichbares Segment zur Nasdaq gibt. Es gibt auch kaum deutsche Investoren in Biotech. Das Risikokapitalsystem existiert quasi nicht mehr.

Sie haben gesagt, Biotechaktien seien nichts für Privatanleger. Aber was spricht gegen große Einzeltitel?
SCHWARZ: Es spricht nichts dagegen, in ein großes, diversifiziertes Unternehmen zu investieren, so wie Johnson & Johnson, Medtronic, Gilead oder Amgen.

Wovon würden Sie abraten?
SCHWARZ: Man sollte nicht in Firmen investieren, deren Kursentwicklung von binären Ereignissen abhängig ist. Also Zulassung ja oder nein, Phase-3-Daten gut oder schlecht. Da können innerhalb eines Tages Verluste von 70, 80 Prozent auflaufen. Hier ist es besser, in einen Fonds zu investieren, der auf diese Unternehmen spezialisiert ist und eine ausgewogene Risikodiversifizierung bietet.

NÄGLER: Ich würde versuchen, die Akkumulation von Risiken zu vermeiden. Also nicht in schwierigen Indikationen ein Unternehmen suchen, das ein völlig neuartiges Produktkonzept in der Entwicklung hat. Ich würde nach nachhaltigen Trendthemen suchen und über viele Unternehmen streuen. Etwa Immun-Onkologie: Da sind die vier großen Konzerne Bristol-Myers, Roche, Merck und AstraZeneca führend.

SCHWARZ: Oder sie nehmen mehrere kleinere Firmen wie Incyte, Celldex, Innate Pharma.

BISCHOF: Ein mittelgroßes Gesundheitsunternehmen, das fast keiner kennt, ist Align Technology, die transparente Zahnspangen herstellen. Uns gefällt auch Coloplast, ein dänischer Hersteller von Inkontinenzprodukten.

Gibt es auch deutsche Firmen, die Sie für aussichtsreich halten?
BISCHOF: Fresenius ist auf Sicht von ein, zwei Jahren ein attraktiver Kandidat. Weil es ein diversifiziertes Unternehmen ist. Der Konzern produziert Infusionslösungen, ist der größte deutsche Krankenhausbetreiber und Weltmarktführer in der Dialyse.

NÄGLER: Herr Bischof und ich mögen auch Morphosys.

SCHWARZ: Wir sind zurückhaltender, weil das Geschäftsmodell zweideutig ist. Kooperationen stehen im Vordergrund, aber bei der wertentscheidenden Entwicklung eigener Produkte liegt die Firma zurück.

NÄGLER: Oft wird gefragt, was ist der große Gewinner in deren Portfolio?

BISCHOF: Braucht es den wirklich? Morphosys hat 25 Antikörper in der Klinik, legt man eine typische Erfolgswahrscheinlichkeit zugrunde, kommen acht davon auf den Markt. Unterstellt man jedem davon eine Milliarde Umsatz, würde Morphosys’ Umsatzbeteiligung — falls alle diese Produkte bei Partnern lägen —vielleicht auf etwa 400 Millionen Vorsteuergewinn herauslaufen. Das bedeutet dann schon ein ordentliches Potenzial für den Aktienkurs.

Können Sie sich vorstellen, dass wir in ein paar Jahren beim Thema Gesundheit über ganz andere Firmen reden, etwa Nestlé, Google oder IBM?
NÄGLER: Bei den Venture-Finanzierungen in den USA hat Healthcare-IT gerade zwei Rekordjahre hinter sich. Daran lässt sich schon ein Trend ablesen. IBM investiert in Systeme, die Entscheidungen treffen können. Es ist enorm, was der Superrechner Watson schon kann.

BISCHOF: Ich denke ebenfalls, dass wir in drei Jahren über andere Werte sprechen werden. Nahrungsmittel und Gesundheit hängen auch sehr stark zusammen, da passiert viel. Zum Glück!

Download: PDF